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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 179

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 179 (sequence 189)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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nationale Autonomie der Juden in Litauen zu unterstützen. Das Basler Programm sagt es nicht (Ruf: Aber die Sächsische Straße sagt es!) Wir brauchen Neophyten. Aber ich frage eins: „wo steht es geschrieben", daß, wenn man neues Blut der zionistischen Bewegung zuführen will, die Rekruten gleich in die zionistische Leitung kommen müssen? Früher wird man doch ein gemeiner Soldat, dann wird man ein U n t e r - o f f i z i e r, dann ein F ü h r e r. (Lebhafte Zustimmung.) Man sucht nicht Neophyten, meine Herren, man sucht Barone, man ist von den großen ausländischen Karrieren berauscht. Hier in der 3. Sitzung des Aktionscomitees hatten wir einen Minister, den man zum Präsidenten des Kongresses vorgeschlagen hat. Da stand er auf und erklärte: bei uns gibt es unsere eigene Hierarchie, es geht Sie nichts an, ob ich Minister bin, hier bin ich nur ein jüngerer Zionist. (Großer Beifall.) Und in dieser Hinsicht greife ich an, nicht nur zwei Herren, sondern die ganze zionistische Gemeinschaft, weil man in den letzten Jahren so viel Unvorsichtigkeiten mit dieser Jagd nach großen Namen, nach Exzellenzen, aber nicht zionistischen Exzellenzen getrieben hat. (Starker Beifall.) Erlauben Sie mir hier ein Warnungswort zu sagen, wobei ich von einer Sache spreche, die Sie alle kennen, und die wie eine Wunde in unseren Herzen brennt. Selbst mit den besten der Neophyten, wenn sie sogleich eine hervorragende, bestimmende Rolle im' Zionismus zu spielen bekommen, gibt es große Gefahren, denn wenn etwas geschieht, ein Pogrom, erliegen sie der Panik und suchen einen billigen Ausweg. Wir stehen bei unserem XII. Kongreß, nicht bei dem ersten. Wir haben Traditionen. Man muß für Jahre kämpfen und arbeiten, bis man bei uns zur Führerschaft reif wird. De Lieme und Simon haben es übel genommen, daß es in diesem Büchlein steht, sie seien vielleicht noch nicht reif. Und die beiden Herren sind doch alte Zionisten. Wie kann man dann für Neophyten die erste Stelle von vornherein beanspruchen? Erst wird man Schekelzahler, dann Delegierter und so weiter — aber in die Leitung zu kommen sollte bei uns ebenso schwer sein, wie in England ein Minister zu werden. Von dem Keren Hajessod und dem System, welches wir vorschlagen, wird man später in einer anderen Sitzung sprechen. Aber schon jetzt muß ich die Herausforderung akzeptieren und antworten: ja, wir wollen nicht aus dem Keren Hajessod ein zionistisches Pseudonym machen. Wir meinen es ehrlich und ernst, wir sagen der jüdischen Außenwelt: kommen Sie und arbeiten Sie mit uns, wir werden Sie nicht majorisieren. Wir bewahren das Vetorecht, denn wir haben diese Institution geschaffen; wir wollen Sie aber nicht zwingen. Wenn Sie die Hälfte des Geldes bringen, haben Sie die Hälfte der Macht. Das ist ehrlich und rein und würdig gesprochen. Das andere System aber ist unvorsichtig und entspricht nicht unserer Würde. Jetzt komme ich auf den gewissen Ausgleich, der zwischen Dr. Weizmann und mir vor einem Jahre erfolgte, und der, wie die Herren Simon und d e L i e m e in ihrem Demissionsbriefe sagen, eine der Ursachen war, die sie gezwungen hat, das Amt niederzulegen. Ich will zunächst vom Inhalt dieses Ausgleiches sprechen. Es war kein„Ausg 1 e i c h". Ein Ausgleich ist ein Kompromiß, auf Konzessionen aufgebaut. Konzessionen können nur gegenseitig sein. Wenn zwei Leute zu einer Verständigung kommen, die wissen, was sie wollen, können die Konzessionen nur gegenseitig sein. Ich würde niemals zu Dr. Weizmann gehen und von ihm Konzessionen verlangen, weil ich die Gegenleistung nicht bieten kann, denn ich mache keine Konzessionen. Ich bin zu Weizmann gegangen (nachdem Naiditsch und Zlatopolsky mir die Ehre erwiesen haben, zu finden, daß sie mich im Keren Hajessod brauchen), um Weizmann zu fragen: ich habe Sie seit langer Zeit nicht gesehen; während dieser Zeit hat sich Vieles verändert; vielleicht stimmen 12* 179

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