Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 188)
- Language
- German, English, Hebrew
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Schaft — so steht es auf der ersten Seite des Buches — hat uns sehr viel Unheil gebracht. Das ist wahr, aber das war doch eine Touristenwirtschaft von Leuten, die wenigstens 3 und 6 Monate im Lande saßen. Aber wenn drei Herren auf drei Wochen nach Palästina fahren und alles reformieren wollen, ist das nicht eine schlimmere Touristenwirtschaft? Herren, von denen zwei von dem neuen Palästina nichts wissen, Herren, die auf drei bis vier Wochen hinfahren und dabei glauben, daß sie alles gesehen haben und alles verstehen können, alles zurechtmachen können, ist das nicht Touristen wir tschaft? (Ruf: Warum haben Sie sie hingeschickt?) Darauf wird man Ihnen auch eine Antwort geben. Jenes alleinseligmachende System, durch welches man die Zionistische Organisation retten will, bestand nämlich darin: Wir kehren zurück zu den gesunden, beinahe gar nicht idealistischen Methoden der ökonomischen Arbeit; und selbstverständlich brauchen wir dabei neue Leute. Niemand bestreitet es, daß wir in unserer Organisation noch nicht alle jene hervorragenden Geschäftsmänner haben, die man für unsere Arbeit braucht Um sie zu finden, gibt es zwei Wege. Es gibt einen Weg, der heißt: Wir werden solche Leute suchen und ihnen vorschlagen, unter gewissen Bedingungen, auf Grund einer Art Föderation mit uns für Palästina zu arbeiten. Es gibt ein anderes System, welches sagt: Wir müssen diese, außerhalb der Zionistischen Organisation stehenden Geschäftsmänner dazu bewegen, daß sie in die Zionistische Organisation kommen und dort die Führung übernehmen. Wenn man das letztere vorschlägt, vergißt man eines. Sucht man schon „den Geschäfsmann", so soll es doch ein Geschäftsmann sein, der alle Seiten dieses Geschäftes versteht. Er muß die B u s i n e s s, er muß die Routine beherrschen, er muß das Versicherungswesen, das Bankwesen kennen, er muß in dieser Hinsicht große Erfahrung haben; aber er muß auch wissen, daß er Palästina nur mit einem gewissen Menschenmateriale bauen darf, und ich bitte zu berücksichtigen, daß die Kenntnis dieses Materials mindestens ebenso wichtig ist wie die Routine. Er muß das Menschenmaterial kennen, mit dem er baut, z. B. den Arbeiter, welcher so verschiedenartig ist, daß kein einziger Mensch, der nicht in Palästina diese Erfahrung mitgemacht hat, von der Ferne einen Ausweg finden wird, wie man diese Frage lösen kann. Dieser Geschäftsmann muß auch den jüdischen Steuerzahler kennen; denn das Geld geben doch die Juden; und sie können es nur freiwillig geben; zu diesen Juden muß man mit etwas kommen, was sie verstehen und fühlen können; und dazu muß man ihre Psychologie kennen. Man sagt: wir brauchen Neophyten, die werden uns retten; alles andere ist nicht wichtig; und diesen Neophyten sollte man die ganze zionistische Leitung überliefern! Ich glaube, das vorsichtigere System ist das, das die Direktoren des Keren Hajessod vorgeschlagen haben. Selbstverständlich brauchen wir Neophyten, das ganze Volk muß zu uns kommen; und man kann natürlich nicht hervorragenden Neophyten vorschlagen, daß sie sich unter die zionistische Exekutive beugen; man muß ihnen eine gewisse Autonomie geben. Aber nicht uns mit ihnen vermischen: damit wir klar sehen, wie sich die Neophyten in der neuen Richtung entwickeln. Wenn sie reif genug sind, wird die Zeit der Fusion kommen. Das ist u n s e r System und das ist, glaube ich, das vernünftigere, das vorsichtigere. Aber hinauszugehen und Leute zu suchen, die nur gestern oder vorgestern zu uns gekommen sind — und gekommen mit der Bedingung, daß sie die Führerschaft übernehmen — das ist unvorsichtig; und wir haben schon bittere Erfahrungen gehabt mit solchen Leuten und mit solchen Methoden. Es ist nicht wahr, daß wir unsere Organisation vor jedem Zuwachs schließen; es ist nicht wahr, daß man von einem jeden verlangt, bevor er sich in Amerika an die Zionistische Organisation anschließt, die 178