Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 186)
- Language
- German, English, Hebrew
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hat eben auch hier nur den Anfang gelesen — und hat sich nicht weiter vertieft. Und weiter: man sagt, die Schulen in Palästina kosten so viel, weil jede Schule im Durchschnitt zu wenig Kinder hat. Bringen Sie nur Geld, bauen Sie Häuser für dieSchulen und dann können Sie auch 60 Kinder in einer Klasse haben. Aber jetzt sind die Schulen i n gemieteten Häusern untergebracht, die Zimmer sind klein, mehr als 20 Kinder können Sie bei diesem Klima in einer Klasse nicht zusammenpressen. Das hat man aber nicht gesehen, weil man sich nicht die Zeit genommen hat; und dann fragt man: warum gibt es so viel Schulen? Man hat auch die Tatsache übersehen, daß, wenn man von 70 000 Juden in Palästina spricht, heute eine gewisse Anzahl davon Paupers sind, die nichts bezahlen können. Ich bin mit jedem einverstanden, der sagt, die Palästinabevölkerung muß erwerbsfähig gemacht werden. Aber heute ist noch ein Drittel nicht erwerbsfähig (die Chalukka-Juden), und die Schule brauchen wir heute; und das ist auch eine Sache, die der Dilettantismus nicht versteht. Man wird mir sagen: „wozu brauchen Sie Schulen, Sie sprechen von einer jüdischen Kleinstadt, und diese braucht kein Gymnasium und keinen Bezalel. Sie wollen doch Pioniere schaffen!" Oh ja!, aber wenn etwas politisch schief geht, kommt de Lieme und protestiert, daß es schief geht. So lange wir eine Minderheit im Lande sind, und doch politische Sprachenrechte verlangen, die dem Steuerzahler Geld kosten, müssen wir doch unsere tatsächliche Berechtigung dazu beweisen. Mit der Köpfezahi können wir nichts beweisen, wir sind eine Minderheit; wir können unsere Forderungen nur mit dem Prinzip verteidigen, daß in Kulturfragen Stimmen nicht gezählt, sondern gewogen werden, daß wir Kulturträger sind, daß unsere Sprache das einzige kulturtragende Element in Palästina darstellt. Baut denn das jüdische Volk alle diese Gymnasien für die 70 000 Juden? Wir bauen es für uns, für diesen Kongreß, für unsere ganze Sache, und da muß es selbstverständlich das ganze jüdische Volk bezahlen. (Lebhafte Zustimmung.) Diejenigen Leute, die in Palästina sitzen und sich damit beschäftigen — aber nicht seit 3 Wochen, sondern seit 33 Jahren — geben auch zu, daß der Jude für seine Schule doch mehr bezahlen sollte. Der WaadHachinuch hat auch Vorschläge dafür unterbreitet. 15 000 Pfund können wir vielleicht dabei ersparen und auch das mit großen Schwierigkeiten. Aber man sollte nicht übertreiben. Auch in Holland haben Sie den Kindergarten. Dort ist er ein Luxus, weil die Kinder schon zu Hause holländisch sprechen. Palästina aber braucht den Kindergarten unbedingt, weil er uns die hebräische Sprache gibt. Diesen ganzen politischen Druck, unter dem wir in Palästina leben, der alles beeinflußt, unsere Oekonomie, unsere Kulturarbeit, sieht nur einer, der Palästina kennt. Das sehen aber nicht jene, die ein gutes Buch zu lesen beginnen, es aber nicht zu Ende lesen. Ich komme zu der anderen Frage. Die große Wahrheit, die man in Amerika erfunden hat, die ich aber schon in der Secunda vom Gymnasiallehrer der politischen Oekonomie gelernt habe, diese große Entdeckung heißt Privatinitiative. Selbstverständlich, wer weiß das nicht? Palästina wird gesund sein, unsere Kolonisation wird ein gesunder Prozeß sein, wenn sie vollständig auf privatem Unternehmungsgeist, auf persönlicher Verantwortung aufgebaut wird. Es gibt darüber keinen Zweifel, das steht auf der ersten Seite eines jeden Schullehrbuches der politischen Oekonomie. Aber wenn Sie sich in Palästina umsehen, so müssen Sie sich fragen: Geht es dort oder geht es nicht? Erlauben Sie mir einen Vergleich. Man hat hier von Odessa gesprochen. Da haben Sie eine Stadt — vielleicht 176