Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 185)
- Language
- German, English, Hebrew
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um mich zu verteidigen, ich würde mich hebräisch verteidigen, ohne Rücksicht darauf, ob eine gewisse Anzahl Delegierter mich versteht oder nicht. Aber ich will angreifen und ich will gerade Herren angreifen, die hebräisch nicht verstehen. Es ist nicht gut, Leute in einer Sprache anzugreifen, die sie nicht verstehen. (Beifall.) Ich hoffe aber, daß es das letzte Mal ist. Als die letzte Umwälzung in der zionistischen Exekutive erfolgte, sagte man uns: Sie verlieren dabei Leute, die sehr tüchtig sind. Sie sind sehr gründlich, sehr konsequent, und in unserer Partei brauchen wir das. Ich habe das auch geglaubt. Bis zum letzten Moment, wo ich den Reorganisationskommissionsrapport gelesen habe, habe ich auch geglaubt: ja, die Leute sind sehr gründlich und konsequent. Heute aber, nachdem ich zugehört habe, muß ich mich fragen: Ist das Gründlichkeit oder Dilettantismus? Dilettantismus ist nicht Ignoranz. Man darf nicht sagen, daß ein Dilettant keine guten Bücher liest. Er liest sie aber nicht zu Ende. Er lernt etwas, aber nicht bis zu Ende. Ich fürchte, daß wir in diesem Falle eine große Demonstration von einem großen Dilettantismus vor uns haben, es aber vielleicht nicht bemerkt haben. Ich werde mit einer Kleinigkeit beginnen. Herr Simon hat hier gesagt: was wollen Sie von einem Manne wie Ussischkin, welcher, wenn wir ihm den Vorwurf machen, daß die zionistische Kommission alle Probleme des Kolonistenlebens selbst entscheidet, mir antwortet: das ist richtig und gut. Ich bin nicht berufen, den politischen oder ökonomischen Standpunkt Ussischkins zu verteidigen. Aber es ist interessant, was er wirklich gesagt hat. Hier ist die Antwort, die Herr Simon zitierte. „Die Reorganisationskommission erhebt gegen die Zionist-Commission folgende Anklage: Die Kommission maßte sich Funktionen eines Staates an und begann sich selbst als eine Regierung anzusehen. Sie glaubte, alle jüdische Arbeit und Tätigkeit in Palästina müsse in ihr konzentriert sein . . . u. s. f. Das stand im Rapport der Reorganisationskommission. Darauf antwortete Ussischkin am Anfang: diese Behauptung ist richtig, und diesen Standpunkt der Kommission werden meine Kollegen und ich vertreten. Er sagte aber auch: „Ich bin für die Konzentrierung des politischen und sozialen Lebens in der Zionist-Commission, nicht aber des wirtschaftlichen Lebens. Was die Anklage betrifft, daß die Bevölkerung von der Kommission die Erfüllung aller Wünsche erwarte, so ist das zum Teil richtig, aber dafür sind nicht die Mitglieder der heutigen Kommission verantwortlich." Das hat man vergessen zu zitieren. Das ist ein kleines Beispiel, um Ihnen zu beweisen, worin das System besteht: Man öffnet ein Buch, ein Interview oder einen Artikel, man liest die ersten Zeilen, man erzählt Ihnen von den ersten Zeilen, man hat aber nicht weiter gelesen. Ich gehe weiter und finde darin die Erklärung vieler Tatsachen, die mich in Erstaunen gesetzt haben. Z. B. das Kapitel des jüdischen Schulwesens in Palästina: das jüdische Schulwesen sei ungemein teuer, es sei zur Gänze vomAusland bezahlt, der Jischuw bezahle nichts oder sehr wenig, er solle wenigstens die Hälfte der Ausgaben tragen. Schöne Worte, ganz richtig, sie stehen am Anfange eines sehr klugen Buches. Es wird eine Zeit kommen, wo wir so weit sein werden, daß wir dieses Buch im Leben durchführen können. Aber jetzt ist der Jischuw, seiner Zahl nach, eine Kleinstadt von siebzigtausend Einwohnern. Ich frage diejenigen, die russische Kleinstädte kennen: Haben Sie eine jüdische Gemeinde gesehen, von 70000 Mitgliedern, die imstande ist, eine ganze Anzahl Elementarschulen, Kindergärten, zwei Gymnasien, zwei Lehrerseminare selbständig zu erhalten oder auch die Hälfte der Erhaltungskosten zu bezahlen? In welchem zivilisierten Lande haben Sie gesehen, daß in einem kleinen Dorf die Bevölkerung selbst die Schulausgaben bezahlt? Die Schule ist obligatorisch, aber unentgeltlich. Man 175