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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 172

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 172 (sequence 182)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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vor der Balfour-Deklaration in ihrem Kriegsprogramm die Forderung aufstellte, daß die Palästinafrage in Verbindung mit der jüdischen Frage gelöst werden soll. Es war die Arbeiterpartei, die in diesem Sommer auf ihrem Kongreß in Brighton eine Resolution von großer Bedeutung zugunsten unserer Forderungen in Erez Israel angenommen hat. Unsere politische Tätigkeit darf sich nicht darin erschöpfen, bei jeder Gelegenheit über diese oder jene Deutung und Auslegung zu klagen und immer wieder den Schein der Balfour-Deklaration aus der Tasche zu ziehen. Wir müssen für uns die aktive Unterstützung der großen englischen Oeffentlichkeit gewinnen, die Sympathien des englischen Volkes immer von neuem erobern. Das kann nur gelingen, wenn die englische Oeffentlichkeit weiß, daß hinter der zionistischen Beweg u n g die organisierte, kampffähige Kraft des jüdischenVolkes steht. Die Engländer sind Realpolitiker. Auch wenn England von der Arbeiterpartei regiert werden wird: wenn kein jüdisches Volk da sein wird, das realeTatsachen in Erez Israel schafft, wird die englische Arbeiterpartei jüdische arbeitende Massen in Erez Israel nicht verteidigen können, die nicht da sind. (Sehr richtig!) Wir müssen den Weg zum englischen Volke finden und dessen eingedenk sein, daß unsere Zukunft mit den revolutionären Teilen des englischen Volkes verbunden ist. Ferner rechnet England nicht nur mit uns, nicht nur mit den Arabern, sondern mit der internationalen Meinung; daher darf die Aufklärung der internationalen Oeffentlichkeit nicht vernachlässigt werden. Die politische Aktion muß nicht nur in England, sondern in der ganzen Welt geführt werden, und in der ganzen Welt werden unsere Bundesgenossen nur die Gegner jener reaktionären Elemente sein, die den Zionismus bekämpfen und immer bekämpfen werden. Diese Einsicht und eine derartige organisierte Tätigkeit haben der zionistischen Bewegung am meisten gefehlt. Es war der größte Fehler, der begangen wurde. Dr. W e i z m a n n hat in seiner Eröffnungsrede sehr schön erklärt, daß wir nur im Namen des Rechtes und der moralischen Kraft der Idee sprechen; das klingt sehr ideal. Aber es ist nicht wahr, daß wir keine reale Kraft haben. Das jüdische Volk ist nicht so machtlos. Unser Drang nach Erez Israel, unser Drang zur Arbeit, unsere Entschlossenheit, das Leben auf neuen Grundlagen aufzubauen, unsere Verzweiflung — das alles ist eine gewaltige revolutionäre Kraft, die wir ausnützen werden und können. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Aber die Kraft desjüdischen Volkes muß einen Ausdruck finden. An diese Kräfte hat aber die zionistische Leitung nicht appelliert; sie hat ihnen nicht geholfen, sich zu organisieren. Die Beziehung der Leitung zur jüdischen Kongreßbewegung ist eine gleichgiltige und in sehr vielen Phasen der Bewegung eine negative gewesen. Wir haben heute von Mr. L i p s k y eine Bestätigung gehört. Die verfehlte Beziehung zum jüdisch-amerikanischen Kongreß war zum Teil inspiriert von der zionistischen Leitung in Europa. Die gleiche Politik fand ihren Ausdruck in dem gleichgiltigen Verhalten zur Organisation des jüdischen Jischuw in Palästina. Der zweite große Fehler war der, daß man für die politische Erziehung der jüdischen Volksmassen nicht gesorgt hat. Der Kongreß hat bereits mit großer Ruhe sehr wenig schmeichelhafte Komplimente gehört, daß er nicht fähig sei, die Probleme der Kolonisation zu betrachten u. a. m. Ich hoffe, daß er es mir nicht verübelt, wenn ich es hier ausspreche, daß die jüdischen Volksmassen noch einer großen politischen Erziehung bedürfen. Die jüdischen Volksmassen sind zum großen Teil entsprechend ihrer kleinbürgerlichen sozialen Lage nicht sehr kampfesfähig, sie neigen zu übertriebener Freude oder Niedergeschlagenheit und sind sehr unsicher in ihrem Auftreten. Man hat sie erzogen mit Triumph- 172

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