Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 179)
- Language
- German, English, Hebrew
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auf. Wir kennen die Ursache des Widerspruches der Linken. Sie wissen, daß durch einen alljüdischen Kongreß ihre geistig Verwandten von der äußersten Linken wie „Poalei Zion" und der „Bund" nicht zu gewinnen sind, dagegen aber wird man dem traditionellen Judentum die Mitarbeit für Palästina ermöglichen. Die Linke ist daher um ihren Einfluß auf einem jüdischen Kongreß besorgt. Man sollte aber diejenigen Juden zur Arbeit heran* ziehen, die den größten Teil des Judentums bilden. Man muß alle Kräfte ausnützen. Wir wissen, daß unter der Orthodoxie, die wir erwerben müssen, frische Kräfte vorhanden sind, die uns bei der Verwirklichung unseres zionistischen Ideals wertvolle Dienste leisten können. Nur auf diese Weise werden wir unsere Arbeit fortsetzen können zum Nutzen des Jischuw und zum Aufbau eines echt jüdischen Landes. Wir wollen uns nichts vormachen und müssen die Wahrheit sagen: In der Zionistischen Organisation ist eine Krise ausgebrochen. Die zum Aufbau notwendigen Mittel fehlen uns. Wir müssen es klar und deutlich aussprechen, daß die Reise Weizmanns ein Mißerfolg war. Die Summen, die in Amerika bis nun gesammelt wurden, sind im Verhältnis zu dem, was wir brauchen, lächerlich klein. Wenn wir die vom Joint aufgebrachten Gelder mit den von Weizmann aufgebrachten vergleichen, werden wir sehen, wie man den Erfolg zu werten hat. Die größte Gefahr besteht darin, daß wir uns auf einen kleinen Kreis beschränken wollen. Man muß mit allen Schichten des Judentums mitarbeiten. Diese Abgrenzung hat auch die Erziehung des Judentums beeinflußt. Durch die eng gezogenen Parteigrenzen wurden die großen Massen des Volkes von der Erziehung zum nationalen Bewußtsein ausgeschlossen. B u b e r hat hier über die jüdische Erziehung gesprochen. Wir haben eine große Anzahl von Leuten, die dem „Haschomer Hazair" angehörten. Der Haschomer Hazair stand unter dem Einfluß Bubers. Die Leute sind vom Haschomer fortgegangen, und wir kennen die Ursache. Die moderne Literatur, durch die sie erzogen wurden, hat in ihren Herzen ein Streben nach nationalem Leben erweckt. Aber sie hat diesem Streben nicht gerecht werden können, weil sie sie um die Tradition gebracht hat, und konnte ihnen an Stelle dieser Tradition keine neuen Ideale geben. Die Jugend, die aus Bubers Erziehung hervorgegangen ist, hat einen neuen Gott gesucht. Ist denn möglich einen Gott zu finden, wenn man ihn nicht im Herzen trägt? Sie haben die Jugend aus den Beth-Hamidrasch hinausgeführt, aber die Jugend hat außerhalb des Beth-Hamidrasch nichts Besseres gefunden. Es ist notwendig, daß sie wieder einmal ins Beth- Hamidrasch geht, um dort neue geistige Kräfte zu sammeln. Wir glaubten, daß unser hochverehrter Herr S o k o 1 o w , der mit der althebräischen Kultur gesättigt ist, daß dieser Sokolow, der einmal auf dem Kongreß vorgeschlagen hat, Hebräisch als offizielle Sprache zu erklären, den Kongreß hebräisch führen wird. Wir haben uns getäuscht. Der Kongreß wird von ihm in einer fremden Sprache geführt. Wir sagen unseren Führern: Wenn Ihr Opferwilligkeit und Ergebenheit unseren Idealen gegenüber fordert, müßt Ihr auch in dieser Hinsicht an der Spitze stehen und erst dann könnt Ihr überzeugt sein, daß das Volk mit Euch gehen wird. Ich möchte noch einige Worte über unsere Chaluzim sagen. WTir haben Hunderte und Tausende von Chaluzim unter den Misrachisten, die bereit sind, sobald man ihnen die Möglichkeit bietet, nach Palästina zu gehen. Aber man stellt ihnen große Hindernisse in den Weg. Es werden andere Ihnen ausführlicher über dies erzählen. Ich möchte nur eines betonen: Der misrachistische Chaluz leidet als Arbeiter und als Orthodoxer. Die Leitung tut nichts, um ihre Lage zu verbessern. Wenn man zu den Palästina-Aemtern kommt, fordert man einen Berufsnachweis, um die misrachistischen Chaluzim von der Einwanderung nach Palästina abzuhalten. Wissen wir doch alle, welchen Wert die Berufsnachweise der 169