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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 168

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 168 (sequence 178)
Language
German, English, Hebrew
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sich der Direktor der jüdischen Kolonialbank Herr Dr. N. K a t z e n e 1 s o 11 beleidigt gefühlt und die Klage wegen Ehrenbeleidigung vor dem zionistischen Ehrengericht erhoben. Das Ehrengericht hat darüber verhandelt und Beweise erhoben und ist zu einem Urteil gelangt, das ich Ihnen nun mitzuteilen die Ehre habe. Es hat zum ersten Mal seit seinem Bestehen beschlossen, daß das Urteil von der Tribüne verkündigt werden soll, in Anbetracht des Aufsehens, weiches die Affäre gemacht hat. Das Urteil, gefällt vor einem Ehrengericht, an dem teilgenommen haben: Als Vorsitzender Rechtsanwalt Gronemann, als Beisitzer Dr. Jalowicz und Dr. Abraham Löb, lautet: Rabbiner Dr. Nurock erhält wegen Beleidigung des Klägers einen Verweis und wird zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Zur Begründung habe ich kurz nur zu bemerken: Die eingehende Prüfung, welche das Ehrengericht vorgenommen hat, hat ergeben, daß Herr Dr. Nurock beweisfällig geblieben ist, und daß in allen Fällen, welche von Dr. Nurock zur Kenntnis des Gerichtes gebracht worden sind, das Verhalten Direktor Katzenelsons geschäftsmäßig durchaus korrekt und in keiner Weise angreifbar erscheint. Das Gericht hat erwogen, ob es zu einer höheren Strafe als der Mindeststrafe des Verweises kommen sollte, hat aber davon abgesehen, weil es sich überzeugt hat, daß in weiten Kreisen jenes Gerücht verbreitet war, dem Rabbiner Dr. Nurock Ausdruck gegeben hat. Rabbiner Dr. Nurock hat also jedenfalls in gutem Glauben gehandelt und keine Verleumdung ausgesprochen. Andererseits konnte sich das Gericht nicht entschließen, von der Befugnis, welche ihm das Statut einräumt, Gebrauch zu machen, statt auf eine Strafe zu erkennen, nur die Mißbilligung auszusprechen. Herr Nurock hätte die Pflicht gehabt, statt öffentlich solche Beschuldigungen, zumal gegen eine im Zionismus hervorragend sich betätigende Persönlichkeit zu erheben, sich selbst an die zionistischen Organe, insbesondere an das Ehrengericht zu wenden. Es mußte deshalb auf eine Strafe, wenn auch auf die Mindeststrafe erkannt werden. Vorsitzender: Wir setzen die Generaldebatte fort. Das Wort hat Herr Federbusch. Delegierter S. Federbusch (Zeire-Misrachi, Ostgalizien, spricht hebräisch): Hochgeehrter Kongreß! Vier Bücher, die den Bericht der Exekutive enthalten, liegen uns vor. Das erste Buch spricht über die zionistische Politik, und vielleicht hat man das Buch als erstes deshalb gedruckt, weil man wußte, daß es das einzige Plus in der zionistischen Arbeit ist. Denn hinsichtlich der äußeren Politik stand die Leitung auf der Höhe, die den historischen Geschehnissen entsprochen hat. Dies darf man nicht verschweigen. Wir alle wollen doch eine wohlwollende Kritik üben und das Positive ebenso wie das Negative hervorheben. Wenn wir aber in der Politik keinen Selbstzweck, sondern ein Mittel, um günstige Bedingungen für die Verwirklichung gewisser Bestrebungen zu schaffen, sehen, dann müssen wir zugeben, daß die zionistische Politik bis nun noch keine positiven Erfolge in Palästina, in der Arbeit des Jischuw gezeitigt hat. Wenn wir hier über jüdische Politik sprechen, müssen wir wissen, daß man nicht nur mit den äußeren Faktoren rechnen muß. Wir haben auch eine innere Politik, und der Erfolg der innerzionistischen Politik wird die äußere erleichtern. In der Zeit, als die Balfour-Deklaration proklamiert wurde, war das ganze Volk, groß und klein, begeistert. Man konnte damals alle Schichten des Volkes gewinnen. Damals waren die Herzen des Volkes geöffnet, und was man damals in einem Augenblick hätte erreichen können, dazu bedarf es heute großer Anstrengungen. Die Leitung hat dies versäumt, und zwar, weil sie die Organisation zum Selbstzweck gemacht hat. Man wollte sich nicht den breiten Schichten des Volkes nähern, und man hat gegen den alljüdischen Kongreß Bedenken. Besonders trat die Linke gegen ihn 168

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