Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 174)
- Language
- German, English, Hebrew
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sieht aber diese Tat aus? Die Emigrationsarbeit steht unter dem Zeichen von „Stop", die Kolonisationsarbeit leidet an einem Mangel an Planmäßigkeit. Bei der Sitzung des A. C., die zwei Tage vor dem Kongresse tagte, hat man erst daran zu denken begonnen, daß dem A. C. ein Projekt vorzulegen ist, und man hat beantragt, ein Kolonisationskomitee zu wählen, welches dem Kongresse ein Projekt vorlegen soll. Das A. C. hat diesen Vorschlag verworfen, damit es nicht ausschaut, ut aliquid fecisse videatur. Man spricht von Arbeitsmöglichkeit und wir wissen nicht, unter welchem Gesichtspunkte diese vor sich gehen soll. Unser Präsident hat etwas gesagt, was an die Nationalisierung des Bodens erinnern sollte, und wenn wir wüßten, daß dies das System ist, so würden wir es verteidigen oder ablehnen können. Aber dieses Erlösungswort ist nicht ausgesprochen worden, wir wandern in Bezug auf das Programm in ein ein Chaos herum, das unsere ganze Arbeit, speziell die landwirtschaftliche Arbeit, stört. Das Stadium der Finanzen kennen Sie zu gut, die Leitung bestreitet nicht, daß der Stand fatal ist. Wir wissen, daß gewisse Vorwürfe in Bezug auf die Finanzen gemacht worden sind, und wir glauben, daß solche nicht gemacht werden dürften, wenn nicht Beweise vorliegen. Deshalb glaube ich sie auch nicht, weil eben kein Beweis erbracht wurde. Wogegen ich mich jedoch wenden muß, ist, daß man die Auseinanderhaltung der Finanzen nicht recht beachtet. Ussischkin hat das in Prag zugegeben und es gerechtfertigt, daß, da kein Geld da war, man von einem Fonds zum anderen borgen mußte. Ich kann es verstehen, daß „Not Eisen bricht" und daß man manchmal gezwungen ist, von einem Fonds für den anderen auszuborgen. Aber indem er hinzufügt, solange kein Geld da sein wird, werden wir es immer so machen, finde ich, daß das als System aufgestellt wird, und dagegen muß ich Verwahrung einlegen. (Beifall.) Nun kommt die Sache der Organisation. Wenn man gesagt hat, daß in Bezug auf die Arbeit in Palästina ein Chaos herrscht, so glaube ich, daß es in Bezug auf die Organisation am schlimmsten ist. Nach San Rerno ging die Begeisterung auf die jüdischen Massen über. Alles jubelte. Es galt, diese Begeisterung durch eine Tat auszulösen. Das ist nicht geschehen. Der Strom zwischen der Leitung und den Landsmannschaften ist abgebrochen worden und es konnte auch in dieser Beziehung nichts geschehen, weil der Mann, der in London mit der Autorität des Parteipräsidenten ausgestattet wurde, alles selbständig durchführen wollte, und es ist selbstverständlich, daß auch ein Mann von so heroischem Mute und Begabung nicht in der Lage ist, selbständig alles zu beherrschen. Und so kam es, daß die Intelligenz in großen Massen abseits steht, daß die Geister, die etwas suchen und es in der heutigen Bewegung nicht finden, daß ebenso die Massen zu zweifeln beginnen. Da trat in der Organisation die Erscheinung hervor, die Sie kennen. Was wir aussetzen, ist, daß man alles vor sich gehen ließ, ohne diejenige Instanz zu befragen, die nach dem Statut dazu ermächtigt ist, das ist .das A. C. Man hat Simon und de Lieme mit unbeschränkter Vollmacht nach Palästina geschickt — ob es gerechtfertigt war oder nicht, will ich hier nicht untersuchen — aber dann soll man die Konsequenz daraus ziehen. Man hat sie aber dann, weil sie von dieser unbeschränkten Vollmacht Gebrauch machten, aus dem Komitee scheiden lassen und die Exekutive ergänzt, ohne das A. C. darüber zu befragen, ob dies alles recht und billig ist. Und als Mitglied des A.C. erhebe ich Protest gegen eine solche Vergewaltigung der eigenen Verfassung, gegen Verletzung der Institution, die berufen ist, über alles zu wachen, was in der Zionistischen Organisation vorgeht. (Beifall.) Ich glaube aber, wenn man Simon und de Lieme aus der Exekutive ausscheiden ließ, weil keine Einigkeit zwischen ihnen und den anderen herrschte, was ich verstehen kann, weil eine Leitung mit derartigen Befugnissen homogen sein soll, so kann ich nicht begreifen, daß man 164