Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 175)
- Language
- German, English, Hebrew
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an Stelle dieser Herren andere zur Mitarbeit eingeladen hat, deren Meinung in großen und wichtigen Dingen sich auch nicht mit der der anderen Herren deckt, die zurückgeblieben sind. Nun kam die Reise unseres verehrten Präsidenten n a c h A m e r i k a. Ich muß sagen, daß vieles, was von der Leitung gegen die amerikanischen Herren, die bis zur letzten Zeit den dortigen Zionismus repräsentierten, unternommen wurde, unternommen werden mußte. Ich muß sagen, daß ich den Herren in Amerika vor allem vorwerfe, daß sie nicht mit der entsprechenden Achtung die Delegation, die von hier aus unter der Führung des Präsidenten der Organisation hinreiste, empfangen hat. Wie immer es auch sei, der Name W e i z m a n n ist heute ein Symbol der Renaissance des jüdischen Volkes. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Und wer dieses Symbol nicht entsprechend respektiert, der gibt den Beweis, daß er vielleicht noch nicht den vollen Respekt hat für alles, was im jüdischen Volke vorgeht. Was aber die meritorische Frage anbelangt, so muß ich bemerken, daß wir, wenigstens unsere Gesinnungsgenossen aus Ostgalizien, auf dem Standpunkte stehen, daß das Schul werk ganz und unversehrt und unantastbar bleiben muß. Unter welchem Namen man hier einen Abbruch tun wollte, sei es Abbau, sei es Einschränkung, sei es Auferlegung von verschiedenen Abgaben aus dem Jischub, das Schulwesen ist nicht nur ein Netz von Schulinstituten, sondern das einzige Mittel, das ganze jüdische Volk in Palästina geistig zu heben. Es ist eines der Mittel, welches uns in San Remo zur Erlangung der jüdischen Heimstätte geholfen hat, weil es bekannt war, daß die Juden dort bleiben und ihre Sprache entwickeln wollen. Es ist unmöglich, die Sprache entwickeln zu lassen, wenn man von den Schulen auch nur ein Häuschen zusperrt, und nicht im Gegenteil bestrebt ist, voll und ganz das Schulwesen zu entfalten. Was den Vorwurf der Amerikaner gegen die zionistische Leitung bezüglich der Gegenwartsarbeit in der Diaspora anbelangt, so müssen wir uns wundern, daß dieser Vorwurf erhoben wird. Soweit ich zionistisch unterrichtet bin, erinnere ich mich nicht, daß offiziell die politische Gegenwartsarbeit auf dem Kongresse auf das Schild des Zionismus gehoben worden wäre. Ich meine, daß für die Pflege der hebräischen Sprache und Literatur auch die Amerikaner sind. Wenn man hingegen unter Gegenwartsarbeit etwas versteht, was außerhalb der Kulturarbeit liegt, so weiß ich nicht, warum man das offiziell dem Zionismus zuschiebt. Insofern man aber glaubt, daß Gegenwartsarbeit das betrifft, was den Juden in der Diaspora ermöglicht, sich geistig zu entwickeln, ihre Bürgerrechte auszuüben und ihre sonstigen Rechte geltend zu machen, so tun dies alle Landsmannschaften schon für sich. Das können Sie ihnen aber auch nicht verwehren, denn diese Arbeit ermöglicht es vielen im Osten, Zionisten zu bleiben. Das ist die Gegenwart, von der eine Brücke in die Zukunft führt. Denn der Zionismus soll aus allen Lebensquellen schöpfen und eine solche Lebensquelle ist nicht nur die Sehnsucht nach Palästina, sondern auch der Kampf ums tägliche Leben, der Kampf um das zionistische Ideal, um die Möglichkeit, es zu erfüllen. (Lebhafter Beifall.) Abgesehen von diesem Standpunkte glauben wir aber, daß es nicht angeht, deshalb, weil andere Zionisten anderer Meinung sind, es dazu kommen zu lassen, daß sie sich von der Organisation entfernen. Wir können es nicht zulassen, daß man Zionisten, die anderer Meinung sind, deshalb des Hochverrats am Zionismus zeiht. Wir sind kein Fehmgericht, wir haben keine Möglichkeit das zu kontrollieren, weil es kein Parteithermometer gibt, auf Grund dessen man den Fiebergrad des Zionismus untersuchen könnte. Wir müssen annehmen, daß alle, die in der Zionistischen Organisation im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung Postulate vertreten, auch wenn uns dieselben contre coeur gehen, ebenso gute Zionisten sind, wie wir alle und daß wir alle festhalten müssen. Ich erinnere daran, 165