Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 167)
- Language
- German, English, Hebrew
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trum der jüdischen Politik nicht in London sei, sondern in Palästina, und es wird genügen, wenn wir in London eine politische Agentur haben. Ich bin Optimist genug, zu glauben, wenn unser Präsident ständig in Palästina wäre, daß er solche Beziehungen zu dem Gouverneur und der Leitung unterhalten würde, daß Ausschreitungen, wie sie in Jaffa vorgekommen sind, im Keime erstickt werden könnten. (Sehr richtig!) Vizepräsident Motzkin (unterbrechend): Sie haben noch fünf Minuten.' Delegierter Dr. Mayer Ebner (fortsetzend): Hochgeehrte Versammlung! Nach der Generaldebatte wird die Frage entschieden werden, ob wir der abtretenden Leitung das Absolutorium erteilen und Dank und Vertrauen votieren sollen. Ich will nicht vorgreifen. Ein solcher Antrag wird vom Block der allgemeinen Zionisten gestellt werden, dem anzugehören ich die Ehre habe. Aber ich möchte den Gegensatz zwischen einst und jetzt unterstreichen. Einst ist es eine kleine, oft belächelte und verspottete Bewegung gewesen, die heute zu einem Weltfaktor geworden ist. Man hat gesagt, daß, wenn wir Palästina haben werden, das wohltuend auf die Juden im Golus wirken wird. Wenn wir es auch noch nicht haben, so zeigt sich doch schon heute der Sinn unserer politischen Weltstellung. Ich komme aus Rumänien. Ich glaube sagen zu können, daß Volk und Regierung dem Zionismus nicht feindlich gegenüberstehen und daß die rumänische Regierung immerhin sich bemüht, die an den Juden in der Vergangenheit begangenen Sünden vergessen zu machen. Wrir üben Kritik an der Leitung, mit Recht, und wir wollen sie üben. Aber hätte nicht die Leitung auch das Recht, Kritik an uns zu üben? Haben wir alle unsere Pflicht erfüllt? Ich erinnere Sie an ein Wort, das Weizmann nach San Remo in einer großen Versammlung in London gesprochen hat. Er hat gesagt: Das haben wir gemacht; aber du, jüdisches Volk, was hast du getan? Fragen wir uns, ob wirklich jene mächtige Begeisterung eingesetzt hat, die man hätte erwarten können, ob man die Taschen geöffnet hat, um den Geulahfonds zu stärken? Wenn so geringe positive Erfolge in Palästina erzielt worden sind, so ist das nicht die Schuld der Leitung, sondern des jüdischen Volkes selber. Wenn die jüdische Geschichte geschrieben sein wird und wenn unser Werk durch unser eigenes Verschulden mißlungen sein sollte, so werden sich unsere Kinder und Kindeskinder schämen müssen, daß unser lebendes Geschlecht, das begnadet worden ist, die Erlösung zu erleben, nicht den großen Moment erkannt und daß der große Moment ein armseliges, niedrig denkendes Geschlecht gefunden hat. Ich schließe. Ich habe als junger Mann den ersten Basler Kongreß erlebt. Ich habe den hohen Seelenaufschwung miterlebt, der seither begonnen hat. Ich habe auch andere Kongresse besucht. Sie standen nicht auf der Höhe des ersten. Aber ich muß sagen: Dieser Kongress gleicht dem ersten, wird ihn vielleicht noch übertreffen, nicht nur an Zahl der Mitglieder, sondern an dem Aufschwünge der Seelen. Damals gab es nur einen Zionismus; der Kongreß war gewissermaßen die Mutterzelle, die sich in der Folge abgespaltet hat. Heute gibt es viele Parteien, große und kleine. Man mag sagen, es sind das gute oder schlechte Zeichen, aber es sind Zeichen des Lebens. (Schlußrufe.) Vizepräsident Motzkhi: Sie brauchen nicht Schluß zu rufen. Herr Ebner spricht nur noch zwei Minuten. 157