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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 154

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 154 (sequence 164)
Language
German, English, Hebrew
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Arabern zu suchen haben, daran hat ernstlich niemand gedacht. Wir können auch unserer Leitung den Vorwurf nicht ersparen, daß sie nicht alles vorgekehrt hat, um dieser Gefahr rechtzeitig zu begegnen. Und es ist vielleicht auch zu sagen, daß nicht immer taktvoll genug aufgetreten worden ist, um den Gegensatz zwischen Juden und Arabern nicht zu verschärfen. Wir sprechen alle von Verständigung. Ich glaube, es gibt nicht einen in diesem Saale, der nicht einer friedlichen Verständigung das Wort reden würde. Verständigung ist aber schon eine fertige Tatsache. Wie kommt man zu dieser Verständigung? Diese Versammlung hier enthält eine Summe von Intelligenz, wie sie selten eine menschliche Versammlung vereinigt. Wenn Sie aber einen Preis ausschreiben würden für ein probates, rasch wirkendes Mittel für diese Verständigung, ich glaube, keiner von uns würde diesen Preis gewinnen. Wir mögen sagen — und wir sagen es ja — wir wollen Kultur und Gesittung ins Heilige Land bringen, wir wollen aus der Sandwüste ein Paradies machen und unsere arabischen Brüder daran teilnehmen lassen, — wir werden sehen, sie werden uns nicht glauben oder sie werden sagen: wir verzichten auf eure Kultur und wollen selig werden nach unse:er Fasson. Die gleiche Erfahrung haben alle Kolonisatoren gemacht, wenn sie in ein Land Gesittung und Kultur bringen wollten. Wenn die Völker zum Nationalbewußtsein gekommen sind, haben sie überall gesagt: Wir verzichten auf euer Europäertum, lasset uns in unserer Art ausleben. Unser hochverehrter Präsident S o k o 1 o w hat gesagt, die Zeit wird diese Wunden heilen, wir müssen uns in Geduld fassen, die Zeit wird eine Versöhnung herbeiführen. Hoher Kongreß! Ich könnte Ihnen die Mittel zu einer solchen Versöhnung nicht angeben, ich kenne sie nicht. Aber e i n Mittel will ich Ihnen nennen, welches vielleicht doch einen Weg zur Verständigung bilden könnte. Wenn wir unsere Chaluzim nach Palästina schicken, verlangen wir von ihnen, daß sie die hebräische Sprache in Wort und Schrift beherrschen. Verlangen wir noch ein weiteres Opfer, daß sie auch arabisch lernen. Ich bin ein Jude aus dem Osten Europas. Ich kenne das Beisammenleben der jüdischen Bevölkerung mit der bäuerlichen Bevölkerung. Glauben Sie nicht, daß der Bauer in Osteuropa wirklich ein Judenfeind sei. Die Hetzer kommen aus den Städten. Der Jude im Dorf lebt friedlich mit seinen Nachbarn, er ist der Freund, der Berater und oft der Schiedsrichter der Bauern und es ist nicht selten, daß ein Jude auch die Vosteherschaft in einer Gemeinde bekommt. Warum geschieht das? Der Jude hält fest an seiner Volkssprache, er spricht aber auch die Sprache der Umgebung. Denken Sie sich nun, es kommt ein Chaluz nach Palästina, äußerlich schon unterschieden von der anderen Bevölkerung. Wenn er mit der Bevölkerung des Landes nicht in ihrer Sprache sprechen kann, wird die Fremdheit noch krasser. Wenn er arabisch sprechen könnte, würde das warme, pulsierende Leben ganz andere Beziehungen schaffen zwischen Mensch und Mensch, Familie und Familie, Volk und Volk. Darum sage ich: Schreiben wir auf unsere zionistische Fahne als ersten und obersten Programmpunkt die Pflege der hebräischen Sprache. Machen wir aber auch die Erlernung der arabischen Sprache zum Rüstzeug und zur Waffe, mit der wir Palästina friedlich erobern wollen (Lebhafter Beifall.) Hoher Kongreß! Ich gehe zur zweiten Frage über, denn auch an der amerikanischen Frage kann kein Zionist achtlos vorübergehen. Man hat behauptet, der Streit zwischen der Exekutive und Amerika sei ein Duell zwischen Weizmann und Brandeis. Nein, meine Herren, es ist ein Aufeinanderprallen lange bestehender Gegensätze zwischen dem nationalen Zionismus und dem anationalen Zionismus. (Zustimmung.) Ich erkläre schon hier als Sprecher der Landsmannschaften aus Rumänien, daß wir Zionisten Großrumäniens auf dem Boden des natio- 154

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