Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 160)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kräften danach gestrebt, sich zu organisieren. Die zionistische Leitung aber hat ihn darin gestört. Erst nach einem heftigen Kampfe von vollen zwei Jahren hat der Jischuw Von der zionistischen Leitung die Einwilligung erhalten, sich zu organisieren. Als de Lieme nach Palästina kam, hat er über den Vaad Leumi gespottet, der, obwohl finanziell machtlos, für sich das Recht mitzubestimmen verlangt hat. Was hat de Lieme dazu beigetragen, um dem Vaad Leumi finanzielle Mittel zu verschaffen? Was versteht de Lieme, der Bileam der zionistischen Weltorganisation, von den Wehen der jüdischnationalen Autonomie und von dem schweren Kampfe für das bißchen Existenz? Die zionistische Leitung hat sogar das wichtigste Lebensinteresse des Jischuw, den Selbstschutz auch nicht einzuschätzen verstanden und hat sogar in den letzten, den schwersten Monaten ihre Pflicht nicht erfüllt. Da muß auch von der politischen Lage in Palästina selbst gesprochen werden. Seit der Einsetzung des High Commissioner hat die zionistische Leitung sich damit begnügt, für ihn Reklame zu machen, sie hat aber nichts unternommen, wodurch die jüdische Macht im Lande wirklich verstärkt worden wäre. Heute ist man vom High Commissioner schwer enttäuscht, und diese Enttäuschung hat nicht nur jüdische Arbeiterschaft, sondern auch breite Volksschichten ergriffen, die soviel Hoffnung in ihn gesetzt haben. Politische Führer hätten jedoch sein System von Anfang an voraussehen müssen. Schon in der ersten Zeit hat Samuel erklärt, daß Transjordanien von Palästina getrennt wird. Die Administration, die er einsetzte, hat zu Pogromen geführt und die Polizei, das Hauptnest des Judenhasses, ist die alte geblieben. Man sagt uns, daß Samuel liberal und gerecht sei, und daß er deswegen nichts gegen die Araber unternehmen kann. Das ist nicht richtig! Seine Politik den Arabern gegenüber ist nicht auf Gerechtigkeit gebaut, sondern auf Demütigung. Einer der Hauptpogromhelden ist von Samuel nicht nur begnadigt, sondern zum Posten eines Gouverneurs erhoben worden. Ist das Gerechtigkeit? Den jüdischen „Verbrechern" von Akka wurde keine Stelle angeboten. Genau so verhält es sich mit der Budgetfrage. Wir zahlen höhere Steuern als die Araber, und trotzdem können wir von der Regierung nicht einmal einige Tausend Pfund für unsere Schulen bekommen. Auch bis zum heutigen Tage hat der Vaad Leumi nicht das Glück gehabt, das Recht der Besteuerung zu erhalten, ein Recht, das die Juden in Litauen z. B. genießen. Der gute Zionist, der Schüler Achad Haams, der Justizminister B e n t w i c h hat sich durch ein volles Jahr geweigert, das Recht auf die jüdische Gemeinde anzuerkennen, ein Recht, welches den Juden in allen Golusländern zusteht. Das alles ist aber noch in den „guten" Zeiten geschehen. Bald darauf sind die bittern Tage von Jaffa gekommen. Und was ist nach ihnen geschehen? Ich verlange keine Privilegien, aber selbst die primitivsten Menschenrechte sind uns damals geraubt worden. Kein Schutz, keine Hilfe, sondern ein politischer Pogrom hat die blutigen Geschehnisse begleitet. Der jüdische Statthalter hat der ganzen Welt erklärt, daß es die jüdischen Bolschewiken waren, die die Unruhen in Jaffa angestiftet haben. (Lebhafte Entrüstungsrufe.) Das muß klar gesagt werden. Der High Commissioner hat mit eigener Hand unterschrieben, was ihm von General S t o r r s vorgelegt wurde — daß die jüdischen Bolschewiken die Schuld an den Pogromen tragen. Und wie hat sich die sogenannte „jüdische Regierung" in den Tagen unserer Trauer verhalten? Hat sie mitgetrauert? Unter dem Vorsitz des jüdischen Statthalters hat noch unmittelbar in den Tagen der Totentrauer General S t o r r s öffentliche literarische Vorträge gehalten und es sind Paraden veranstaltet worden. Kurz darauf ist der schwerste Schlag gekommen — das Einwanderungsverbot. Und 150