Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 159)
- Language
- German, English, Hebrew
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sie vertrieben! Ich will nur noch eines sagen, weil es unerläßlich ist. Wir zweifeln nicht daran, daß die englische Regierung alle Maßnahmen treffen wird, um die B a 1 f o u r - Deklaration zu verwirklichen, zu verwirklichen in demjenigen Geiste, in dem sie am 2. November 1917 gegeben worden ist. (Beifall.) Ich hätte noch viel zu berühren gehabt, wenn man mir Geduld geschenkt hätte. Lassen Sie mich endigen. Es klingt wie Phrasen, wenn man bei uns von Einigkeit und dergleichen Dingen spricht. Man vergißt bei uns, was uns eigentlich einte, man vergißt, daß der Judenschmerz, die Judennot es waren, die uns zusammenführten. Man vergißt, daß wir Leidensgenossen sind. Im Eifer des Gefechtes gehen wir viel zu weik Das Band, von dem wir so oft sprachen, das uns umschlang, beginnt zu reißen. Die S e z e s s i o n s g e f a h r ist da, ein bedenkliches Symptom, das uns eine Warnung sein sollte. Ich wäre dafür gewesen, den nächsten Kongreß nach fünf Jahren einzuberufen, damit wir uns der großen Aufgabe, der Palästinaarbeit widmen können. Jetzt ist es notwendig, in kurzer Zeit wieder den Kongreß einzuberufen mit der Parole, die Einigkeit und den Frieden in der Bewegung wieder herzustellen. Ich schließe mit zwei Worten: System Wechsel oder.... (Lebhafte Unruhe. — Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Motzkin: Die Mitglieder des Permanenzausschusses werden gebeten, sich sofort im Korpssaal zu versammeln. Das Wort hat Herr Katznelson. Mitglied des A. C. Berl Katznelson (Achduth Haavodah-Erez Israel, spricht jüdisch): Ich glaube, daß wir uns in der Generaldebatte nicht mit Kleinigkeiten, sondern nur mit den Hauptangelegenheiten befassen sollen. Ich will hier im Namen meiner Genossen in Erez Israel, im Namen der beiden Fraktionen der Poale Zion und Zeire Zion unsere Stellung zur jetzigen Lage präzisieren. Die Zeit ist sehr schwer. Die ganze jüdische Welt wartet auf unsere Worte und auf unsere Taten; auf unsere wahren Worte und konkreten Taten. Wir müssen daher hier eine klare Abrechnung machen. „Der Zionismus ist die große Arbeitsgelegenheit für das jüdische Volk" — lehrte uns H e r z 1. — Wie haben wir uns bewährt in der Zeit, als die große Stunde für den Zionismus geschlagen hat, im Verlaufe der letzten drei Jahre? Anstatt der Arbeit ist die Politik in den Vordergrund getreten und die konkrete Arbeit in den Hintergrund gestellt worden. Die Angelegenheiten der Siedlung, der Landwirtschaft, der Einwanderung — sie alle sind vernachlässigt und beiseite geschoben worden, d. h. die eigentliche Arbeit ist nicht getan worden; denn in Wirklichkeit haben wir nicht einmal politische Arbeit geleistet. Politische Arbeit heißt, das Volk organisieren, eine faktische Macht im Lande bilden, eine Grundlage von realer Politik schaffen. Hätten wir im Lande eine starke Wirtschaft aufgebaut, hätten wir den Jischuw in eine organisierte Macht verwandelt und hätten wir genug Boden gekauft, so hätten wir damit eo ipso politische Arbeit geleistet. Das ist aber nicht geschehen; wir haben das Volk nicht organisiert, wir haben die zionistische Organisation zerstört, im Lande haben wir keine neuen Kräfte geschaffen, die Einwanderung haben wir nicht verstärkt, Boden haben wir nicht erworben, neue Wirtschaften haben wir nicht aufgebaut und sogar das wenige an realpolitischer Arbeit, das der Jischuw selbst geleistet hat, hat die zionistische Leitung nicht zu schätzen verstanden. Ich werde da vielleicht von Sachen reden, welche unangenehm sind, ich muß es aber hier sagen: Seit der Okkupation hat der Jischuw mit allen 149