Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 148)
- Language
- German, English, Hebrew
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daß durch den Rücktritt von Brandeis unsere Sache irgendwie finanziell geschädigt worden sei. Als ich nach Amerika kam, da bin ich in den ersten drei Wochen grau geworden. Man hat das Volk einschlafen lassen. Es war gerade damals in Amerika eine kleine Epidemie von Schlafkrankheit und die hat auch das zionistische Judentum von Amerika ergriffen. Oder besser: das Volk wollte wach sein, aber man hat ihm Schlafmittel gegeben. Nichts hat sich gerührt. Ich bin nicht nach Amerika gegangen um Krieg zu machen, sondern um Frieden zu stiften. Ich wurde aber in den ersten Wochen mehr oder weniger als Feind behandelt. B r a n d e i s ist 3 Tage nach meiner Ankunft nach New York gekommen. Wir haben 35 Minuten im Klublokal gesprochen, da hat er mit mir über Sachen gesprochen, die mit der Krisis im Zionismus nichts zu tun haben, als ob er sagen wollte: Dir kann ich nicht trauen, Du hast den Weg über London genommen. So ging die Sache durch 3 Wochen. Erst in der vierten Woche habe ich gefühlt, das Volk scheint jetzt wieder aufzuwachen, denn man hat sich um mich beworben. Man hat mir Einblick in die ganze Korrespondenz mit London gegeben und mir beweisen wollen, daß London unrecht hat. Ich wollte auf die Sache nicht eingehen, wie ich auch heute nicht darauf eingehe, aber ich habe das gesagt, was G o 1 d b e r g heute sagte: Ihr seid der Ansicht, daß London unrecht hat und Ihr recht habt. Nun gut, gewinnt das Volk für Euch! Sie haben aber das Volk einschlafen lassen. Auf die reichen Juden haben sie keinen Einfluß gehabt, mit dem Volke haben sie nicht rechnen können und darum ist das entstanden, was Goldberg geschildert hat: Von 150 000 Schkolim sind es 33 000 geworden und in Cleveland waren es nur mehr 24 000. Ich habe damals eingesehen, es kann nicht besser werden, wenn es nicht anders wird. Ich habe die höchste Achtung vor Brandeis und Mack als Menschen von Charakter. Aber Menschen, die so jung sind in der jüdischen Bewegung, haben kein Recht, uns ihren Willen zu diktieren. (Lebhafte Zustimmung.) Ich glaube, daß das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Ich weiß, man hält Brandeis für einen großen Trotzkopf, das hat er doch von einem alten Juden. (Heiterkeit.) Aber ich halte ihn für einen durchaus ehrlichen Zionisten — soweit er es versteht. Wenn ihn dieser Kongreß überzeugen wird, daß er unrecht hat, daß das jüdische Volk weiterkommen kann, auch wenn es nicht in allem seinen Plänen zustimmt, so meine ich, er wird ehrlich genug sein, um zu uns zurückzukommen. Es ist von Simon gesagt worden, Dr. W e i z m a n n oder die Organisation oder die Exekutive hätten Brandeis fallen gelassen, als er politisch seinen Einfluß verlor. Hier sitzen Vertreter der damaligen Minorität. Wissen Sie, welchen Vorwurf die damalige amerikanische Opposition und heutige Majorität dem Dr. W e i z m a n n gemacht hat? Daß er nicht den Mut hat, gegen die Brandeis-Gruppe aufzutreten. Man hat gesagt: wie sollen wir kleine Opposition gegen Brandeis kämpfen, wenn Weizmann uns nicht stärkt? Den ersten energischen Brief hat Weizmann auf seiner Reise nach Palästina im Jänner geschrieben und als ich nach Amerika kam, hat mir die damalige Administration ganz beleidigt gesagt: sehen Sie, was der 138