Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 147)
- Language
- German, English, Hebrew
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werden von uns nicht verlangen, daß sie auf irgend eine nationale Tätigkeit in Palästina Einfluß gewinnen. Sie würden sich darauf beschränken, ohne in die Organisation einzutreten, das Geld, das sie geben, gut verwaltet zu sehen, oder die Fabriken, die sie bauen, unter ihrem Einflüsse zu haben; aber nur kaufmännisch, darüber hinaus nicht. Ich kann also den Vorwurf, den Herr Simon gemacht hat, für unberechtigt erklären, ganz besonders im Hinblick auf Amerika, wo Sie weit mehr Kräfte und Gelder bekommen werden, wenn Sie die Leute nicht pressen werden, in die Zionistische Organisation einzutreten, als wenn Sie durch Konzessionen, an denen ihnen nichts liegt, sie vielleicht veranlassen könnten, in die Organisation einzutreten. Etwas will ich sagen, wovon die bisherigen Redner nichts erzählt haben. Herr G o 1 d b e r g hat allerdings bereits angedeutet, daß Oberrichter B r a n d e i s nicht in der Lage war, reiche Juden für unsere Sache zu interessieren. Ich will vorausschicken, daß ich mich in diesem Augenblicke als Historiker fühle und will mich daher befleißigen, so objektiv als möglich zu sein. Ich will Ihnen sagen: ich habe persönlich alle Hochachtung vor B r a n d e i s und M a c k und halte sie für ehrliche Zionisten, soweit sie den Zionismus verstehen. Uns genügt es ja nicht; aber soweit Brandeis den Zionismus versteht, ist er ein ehrlicher Zionist. Nun ist folgendes geschehen. Ungefähr gleichzeitig mit mir war James Rothschild in Amerika, ein Mann, der ja, wie Sie wissen, viel Interesse für unsere Sache und nur die Schwäche hat, immer wieder zu erklären, er wäre kein organisierter Zionist. Er hat in Amerika den Economic Council nach englischem Muster bilden wollen. Er hat einige und zwanzig der reichsten Leute — später waren es ungefähr 30 — von Amerika, soweit sie erreichbar waren, zu Besprechungen eingeladen. Die erste Besprechung hat einen Tag vor meiner Ankunft in New York stattgefunden. Bei dieser Besprechung waren herzlich wenig Zionisten anwesend, wenn ich nicht irre, sechs. Die anderen waren entweder Antizionisten, wie Morgentau, oder ihrer Mehrzahl nach Leute, die zionistisch weder positiv, noch negativ interessiert waren. James Rothschild hat den Leuten erklärt, um was es sich handle, in Anwesenheit von Mack, dem damaligen Präsidenten der zionistischen Föderation. Felix Warburg ist dann als Sprecher der andern Herren aufgestanden und hat gesagt: es ist richtig, was Mack Ihnen erzählt hat, daß wir mehr als einmal von der Zionistischen Organisation aufgefordert wurden, mit ihr für Palästina zu arbeiten, aber der Zionistischen Organisation in Amerika wollten wir kein Geld geben. Jetzt, da James Rothschild gekommen ist und mit uns verhandeln will, wollen wir mit ihm darüber reden. Seitdem ist nichts geschehen und irre ich nicht, so hat außer Louis M a r s h a 11 kein Mensch die Sache ernst genommen. Freilich, wenn die öffentliche' Meinung sie preßt, werden diese Männer etwas tun. Sie haben sich immerhin bereit erklärt, etwas zu tun. Dabei haben sie offen in Anwesenheit von Mack gesagt: Ihnen und Ihrer Organisation haben wir nicht und hätten wir keinen Heller gegeben, wohl aber wollen wir jetzt darüber reden, wo James Rothschild anwesend ist. Also ich weiß nicht, wie man sagen kann, 137