Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 145)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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über meine Eindrücke mitteile, so tue ich es nicht als Parteimann, ich tue es nicht als Verteidiger der Exekutive, ich tue es nicht als Ankläger der amerikanischen Administration, ich tue es einfach als Historiker, als ein Mann, der nicht nur die alte Geschichte seines Volkes zu kennen glaubt, sondern auch die Geschichte der Gegenwart mit ihren Bewegungen und Strömungen. Ich will dementsprechend auf den ersten, sicherlich wichtigeren Teil der Ausführungen des Herrn Simon nicht eingehen, schon deswegen nicht, weil ich davon nicht viel verstehe und es nicht meine Art ist, über Dinge zu sprechen, die ich nicht verstehe. Wohl habe ich aber das Recht, über die beiden letzten von ihm in seiner gestrigen Rede berührten Punkte einiges zu sagen. Herr Simon hat in Verbindung mit dem amerikanischen Konflikt der Organisation, resp. ihren Führern folgende Vorwürfe gemacht. Er hat gesagt, es ist nötig — und das, meint er, hätte Brandeis gewollt — die Zionistische Organisation zu erweitern, weil wir mit unseren heutigen Kräften nicht in der Lage sind, die große auf uns lastende Aufgabe zu erfüllen. Er hat also gemeint, wir müssen weit die Tore und Türen unserer Bewegung allen öffnen, die es wollen. Es ist dies eine Frage von großer programmatischer Bedeutung und Sie werden mir erlauben, darauf des näheren einzugehen. Sie wissen ja, die Bewegung ist nicht von heute. Seit einiger Zeit haben wir bei zionistischen Gruppen in verschiedenen Ländern die Tendenz, durch Kompromisse und Konzessionen den Eintritt von Nichtzionisten in die zionistische Bewegung zu ermöglichen. Nun möchte ich darauf zunächst folgendes antworten. Was verlangen die Herren, z. B. die Vertreter des holländischen Zionismus, die ein Memorandum an das A. C. in Prag geschickt und dann in der Zeitung veröffentlicht haben? Sie sagen ungefähr das, was uns Herr Simon gestern gesagt hat. Der zionistischen Bewegung kann ein jeder angehören, der seinen Schekel zahlt und das Basler Programm anerkennt. Die Gretchenfrage nach seinem nationalen Bekenntnis solle und dürfe nicht gestellt werden, dagegen haben die Landsmannschaften das Recht, diese Bedingung zu stellen und in ihre Verbände nur solche Zionisten aufzunehmen, die den nationalen Forderungen entsprechen. Nun, meine Herren, lesen Sie sich einmal die Statuten der Zionistischen Organisation durch! Was finden wir im ersten Punkte? Der Zionistischen Organisation gehört ein jeder an, der den Schekel zahlt und das Basler Programm anerkennt. Also das, was die holländischen Zionisten von uns verlangen. Von dem nationalen Bekenntnis steht in den Statuten der Organisation nichts, heute nicht, weil es bei uns für selbstverständlich gilt, daß jeder, der Zionist ist, auch nationaler Jude ist, vor Jahren vielleicht nicht, weil es damals nicht als selbstverständlich galt. Tatsache ist aber, daß die Statuten der Zionistischen Organisation nichts anderes sagen als eben das, was die holländischen Zionisten und andere mit ihnen, in Deutschland z. B. und vielleicht auch, wie ich gehört habe, in Amerika — Herr G o 1 d b e r g hat es in Abrede gestellt und ich denke, mit Recht — von uns verlangen. Wir fragen meines Wissens keinen von den Zionisten, die innerhalb unserer Bewegung stehen und Schekel zahlen, wie er zur nationalen Frage steht. Wer diese Frage stellt, ist der Landes- 135