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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 132

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 132 (sequence 142)
Language
German, English, Hebrew
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sind mehr als 10 Monate vergangen, und während dieser Zeit stand Brandeis an der Spitze der amerikanischen Organisation. Was ist in dieser Zeit von ihm verwirklicht worden? Herbert Samuel hat während dieser 10 Monate tausendmal durch verschiedene Staffetten uns sagen lassen, daß man Geld schicken müsse nach Erez Israel, daß man nicht müßig dasitzen dürfe. In dieser Zeit gab das reiche Amerika nur 25 000 Dollars monatlich. Später wurden es nur 15 000, dann 10 000 und zuletzt hörte es ganz auf. Diese Summen sammelt doch die kleinste Talmud Thora eines polnischen Städtchens. So haben wir Palästina behandelt. Wenn man ein Zionist ist und Erez Israel liebt, dann verläßt man es nicht, auch wenn man mit vielem nicht einverstanden ist, in dem Moment, wo es sich um Leben und Tod handelt. (Stürmischer Beifall.) Ich muß Euch sagen, was die Menschen von Buffalo und London an getan haben. Ich werde noch von Weizmann reden, weil es sein Hauptverdienst ist, daß er zu uns gekommen ist, eine Brücke zwischen Amerika und Jerusalem zu machen und nicht wie hier gesagt wurde, zwischen Washington und Pinsk. Diese letztere Brücke bestand schon. Die braucht man nicht zu bauen. Man sprach hier von politischer Oekonomie, von ökonomischer Politik u. dgl. Sie sind doch praktische Menschen und wissen ganz genau, daß all diese Redensarten das eine bedeuten — Geld! (Heiterkeit.) Vielleicht hat Brandeis bessere Pläne; aber hat ihn denn jemand während dieser zehn Monate gehindert, seine Pläne zu verwirklichen? Die amerikanische Arbeitsmethode heißt: Advertisements. In unserer Sprache bedeutet das: das Volk aufrütteln. Man sollte Propagandisten in das ganze Land senden. Man sollte eine Tageszeitung in englischer Sprache gründen, man sollte die \ englische und die jüdische Presse beeinflussen usw. In Amerika kann man alle Juden zum Palästina-Aufbauwerk heranziehen. Amerika allein ist im Stande, Palästina aufzubauen. 3% Millionen Juden stellen eine ansehnliche Kraft dar und jedermann hat Interesse daran, diese Kraft auf seine Seite zu ziehen. Bei der Konferenz in Buffalo haben wir einen Brief von den Reformrabbinern erhalten; formell war das eine Absage, aber eine Absage, die zwölf Seiten umfaßt, ist keine Absage. Wenn man in zwölf Seiten erklärt, daß man nicht liebt, so beweist das, daß man liebt. Vizepräsident Motzkin (unterbrechend): Sie haben noch fünf Minuten. (Zwischenrufe.) Es erheben sich Stimmen, daß Herr Goldberg das Recht haben soll, ohne Unterbrechung zu sprechen. Sind Sie damit einverstanden? Wer dafür ist, möge die Hand erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause:) Angenommen. Delegierter Abr. Goldberg (fortfahrend): Wir waren gegen die Art der Geschäftsführung durch Brandeis und Genossen, weil sie niemanden heranzuziehen verstanden hat. Nicht die Marshall-Schiff-Gruppe, nicht die anderen reichen Gruppen, auch nicht die russischen Juden, die in Amerika reich geworden sind. Die Losung von Brandeis war: Geld, Menschen, Disziplin. Das hat er aber selber nicht erfüllt. Wir führten den Kampf gegen Brandeis nicht um irgendwelcher nationalistischer Prinzipien willen, sondern weil wir gefordert haben, daß man eine Volksbewegung entfachen soll. Wenn man Unterschiede zwischen russischen und amerikanischen Juden macht, so kann nichts Gutes dabei herauskommen. Wer sind denn die Chaluzim? Wer hat die ganze, unsagbar schwere, blutige Arbeit geleistet? Sind es denn nicht die russischen Juden? Und da wollte man bei uns Mißtrauen gegen die russischen, polnischen und galizischen Juden erwecken? 132

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