Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 141)
- Language
- German, English, Hebrew
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genommen werden, dann gibt es keinen Zionismus. Wo sind B r a n d e i s und seine Freunde? Nicht Mack ist schuld, sondern der wahre Schuldige ist B r a n d e i s. Wenn er mitstreiten wollte, hätte er kommen sollen, wie Simon und de Lieme. (Lebhafter Beifall.) Von diesem Standpunkte aus sage ich, Simon und de Lieme befinden sich nicht in der richtigen Gesellschaft, sie gehören hierher und nicht dorthin. (Lebhafter Beifall.) Meine lieben Freunde! Zwischen uns und der neuen amerikanischen Leitung — bei mir ist jene die neue, weil wir ja die alte sind, (Heiterkeit und Beifall) — zwischen uns und der Brandeisleitung liegt ein gewaltiger Abgrund. Auf der Convention in Chicago war schon eine gewaltige Majorität gegen die meisten Vorschläge von Brandeis. Brandeis kam zu uns, als einer der lernen wollte. Ich habe niemals gewußt, wie viel mehr ein Zionist weiß als ein Nichtzionist, bis Brandeis kam. (Lebhafte Heiterkeit.) Wir erwarteten, daß er uns Erfahrung, System, Ideen bringen würde. Dies alles ist sehr gut, aber ohne Inhalt taugt es nicht. Als wir mit ihm zusammen arbeiteten, hatten wir oft Gelegenheit, ihm zu sagen: Nein, das wird bei Juden nicht gehen. (Stürmische Heiterkeit.) Im Anfang hat es sich sehr gut gemacht: Es war auf der einen Seite die Tradition des jüdischen Volkes, die Kenntnis der jüdischen Psyche, unsere Erfahrungen im Zionismus, und auf der anderen Seite die Welterfahrung und die Methode von B r a n d e i s. Nun ist aber Folgendes geschehen. Brandeis hat in die Leitung nicht Z i o n i s t e n, sondern Brandeisisten berufen. (Heiterkeit und Zustimmung.) Das war eine gefährliche Sache. Mit solchen Leuten ist es schwer zu kämpfen. Brandeis hat einen großen Namen und Einfluß in der nicht jüdischen Welt. Ich habe geglaubt, der Zionismus müsse die Menschen behandeln entsprechend ihrer Opferwilligkeit in der jüdischen Welt. Wir glaubten, daß man bei unseren Führern einen jüdischen Maßstab anlegen müsse, daß man in erster Linie berücksichtigen müsse, was sie in der jüdischen Gasse geleistet haben. Wenn man aber unsere Führer mit einem fremden, nichtjüdischen Maßstab zu messen beginnt, werden wir keinen richtigen Zionismus haben. Die Menschen um Brandeis, die seine Persönlichkeit hoch geschätzt haben, haben allmählich begonnen, seine Verteidiger und Berichterstatter zu werden. Wir, die wir eigentlich auf unseren Schultern den ganzen Zionismus getragen haben, sind in die Rolle der Kritiker gedrängt worden und so kam die Entfremdung zwischen uns und Brandeis. Vieles, was Brandeis getan hat, war von jedem Standpunkt aus völlig falsch und das hat er auf den Rat seiner Berater getan. Diese Ratgeber haben ihn oft dort überzeugt, wo er selber zu Beginn nicht überzeugt war, weil sie geglaubt haben, daß ihm dies gefallen wird. Bei der Jahreskonferenz in London haben wir ihm die größte Ehre erwiesen. Wir haben ihn zum Ehrenpräsidenten der zionistischen Organisation gemacht. Ich muß sagen, die Ehre, die man uns Amerikanern in London erwies, hat mich damals tief gekränkt; denn ich merkte, daß diese Ehre nicht unsere innere Kraft verursacht hat, sondern weil wir Dollars haben. Ihr habt uns in London zu viel Ehre angetan. Wofür diese Ehre? Was haben wir getan? Wir waren in Amerika schon daran gewöhnt, daß man die Menschen in primäre und sekundäre einteilt — Menschen mit guter Valuta und Menschen mit schlechter Valuta. (Heiterkeit.) Ich vermutete hier ähnliche Motive, und das war mir tief verhaßt. Es ist nicht unser Verdienst, daß wir Dollars gegeben haben und die Dollars einen höheren Wert haben als Eure Kronen und Mark. Wir haben in London beschlossen, uns in die Verantwortlichkeit mit den andern zu teilen und an der Exekutive teilzunehmen. Dieser Beschluß scheiterte aber an dem Veto von B r a n d e i s. Man sagte uns, daß der Brandeis-Plan der beste sei. Von London bis Cleveland 9* 131