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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 130

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 130 (sequence 140)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Delegierter Ahr. Goldberg (Amerika, jüdisch): Geehrter Kongreß! Zunächst eine kleine Erklärung. Ich rede hier im Namen unserer amerikanischen Delegation. Man wollte hier einen Unterschied machen zwischen echten und unechten Amerikanern. Ich glaube aber, daß ich die echten Amerikaner vertrete. (Heiterkeit.) Ich bin zwar nicht in Amerika geboren, lebe aber seit mehr als 20 Jahren dort. Falls Sie mir nicht glauben, habe ich meinen Paß mitgebracht. (Lebhafte Heiterkeit.) Sie können ihn prüfen. Meine lieben Freunde! Ich habe mit der größten Aufmerksamkeit den beiden Kritiken des Bruderpaares Simon und de Lieme zugehört und ich kann sagen, daß man vieles von ihren Reden anerkennen kann. Ich hätte gern wissen wollen, wie weit ihre Kritik richtig ist, konnte das aber nicht, weil ich keine Materialien zur Hand habe, die als Basis zur Nachprüfung ihrer Kritik dienen könnten. Ich war geneigt, den Behauptungen Julius Simons Glauben zu schenken und hörte ihm aufmerksam zu, denn er ist kein schlechter Redner. Das dauerte aber nur solange, bis er zum Kapitel Amerika kam. Dieses Kapitel kenne ich und da gingen mir Zweifel auf, ob auch seine anderen Behauptungen wirklich wahr seien. Simon und de Lieme haben sich selber keinen guten Dienst damit erwiesen, daß sie das Kapitel Amerika in ihre Rede aufgenommen haben; denn in diesem Kapitel ist die Antwort auf die Beschuldigungen enthalten, die sie gegen Dr. Weizmann erhoben haben. Es ist nicht richtig, daß der Zionismus in Amerika mit B r a n d e i s beginnt. Ich kam nach Amerika vor 20 Jahren und habe schon damals eine zionistische Bewegung gefunden. Noch mehr, ich sage Ihnen, Brandeis wußte, was er tat, als er zum Zionismus kam. Während dieser 20 Jahre hat der amerikanische Zionismus Achusoth geschaffen wie Poriah, Rammah u. a. Wir haben S o k o 1 o w und Schmarja L e v i n nach Amerika gebracht, und wenn Ihr von Verdienste sprecht, so hat Schmarja Levin viel mehr getan als Brandeis. (Beifall.) Euer Fehler war, daß Ihr uns nicht noch mehr zionistische Führer geschickt habt. Seit B r a n d e i s begann man Unterschiede zu machen zwischen dem russischen und dem westlichen Zionismus. Wir haben uns mit Vergnügen in den Schatten gestellt und Brandeis auf den Händen getragen, solange wir glaubten, daß er dem Zionismus Nutzen bringen würde. Als wir aber sahen, daß dies nicht der Fall war, daß er vielmehr der Bewegung schadete, haben wir ihm die Führerschaft entzogen. Sie wissen, meine Herren, Juden haben immer „derech erez" vor Epauletten. (Heiterkeit.) Brandeis ist der höchste Richter und unsere Entscheidung war daher nicht leicht. B r a n d e i s und seine Freunde hatten die ganze Macht in der Organisation und auch das Geld. Gegen sie war, wie es ihnen schien, eine kleine Minderheit. In Cleveland glaubten sie noch, die Mehrheit auf ihrer Seite zu haben. Sie haben sich aber getäuscht. Das zionistische Bewußtsein ist in Amerika groß geworden, und wir haben es alle verstanden: B r a n d e i s ist wichtig und andere sind wichtig, aber wichtiger als alle ist doch der Zionismus. Und wenn wir vor der Wahl standen zwischen Brandeis auf der einen Seite und dem Zionismus auf der andern Seite, so haben wir natürlich den Zionismus gewählt. Wenn erzählt wurde, daß es bei uns Meinungsverschiedenheiten gibt, so ist das richtig. Aber das gab es noch nie, daß einer, der die Meinung der Minorität repräsentiert, das Haupt sein soll. Wenn B r a n d e i s in der zionistischen Organisation bleiben will — mit Vergnügen. Er hat einmal erklärt, er will als einfacher Soldat weiter dienen und wir haben alle Freudentränen vergossen. Aber hat er Wort gehalten? Wenn er einfacher Soldat wäre, wäre er heute mit seinem ganzen Anhang hier. (Lebhafte Zustimmung.) Er würde mit uns streiten und versuchen, hier seine Pläne durchzusetzen, von denen er gesagt hat: wenn diese Pläne nicht an- 130

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