Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 137)
- Language
- German, English, Hebrew
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in Palästina, das ist die Initiative der Arbeit. In Palästina hat sich ein Arbeitszentrum gebildet und wir sollten keinen Tag verstreichen lassen, ohne die Pioniere, die es geschaffen haben und schaffen, mit ihrem Leben und Sterben schaffen, zu ehren. Gewiß hat auch die Arbeiterschaft Palästinas Fehler begangen. Das liegt daran, daß diese Arbeiter ein Sondertypus sind, der im Uebergang ist vom Intellektuellen zum Arbeiter. Aber sie sind keine Doktrinäre. Ein Beweis dafür ist, daß sie Verständnis haben für dezentralisierte, für mannigfaltige wirtschaftliche Organisationsformen, für einen organischen, nicht doktrinären Sozialismus. Aber diesen Arbeitern müssen wir in ihren wirtschaftlichen Interessen helfen. Wir haben das tief vernachlässigt, wir haben die Arbeiterschaft Palästinas und ihre Interessen ignoriert. Hier gibt es eine Fülle von Aufgaben. Ich muß jetzt von dem dritten und in diesem Zusammenhang wichtigsten Punkt sprechen, von der Politik, die eine Beseitigung äußerer Hindernisse zu sein hat. Ich sagte schon, es gibt eine natürliche Schichtung der Aufgaben, aber die ist bei uns umgekehrt worden. Unsere Politik hat sich, statt die Arbeitsbedingungen für die reale Arbeit zu sichern, die Sicherung des Zieles der realen Arbeit, also etwas Unmögliches vorgenommen. Das ist der Grundfehler der zionistischen Politik und der Fehler besonders der gegenwärtigen Politik, die auf die präparatorische der Chowewe-Zion und auf die proklamatorische Herzls gefolgt ist und die ich nicht anders nennen kann, als eine okkasionistische. Herzls Methode der weltpolitischen, überparteilichen Proklamierung ist durch die Ereignisse, durch das Schicksal aufgehoben worden. Das ist keinem zur Last zu legen. Aber eines ist zu beachten. Bündnisse, die in außerordentlichen Situationen geschlossen werden, sind wesentlich auf einer zeitlichen Interessengemeinschaft begründet. Um diese Interessengemeinschaft nicht mit anderen dauernden oder neu auftauchenden Interessen kollidieren zu lassen, um sie zu einer dauernden zu machen, empfiehlt sich eine besondere Umsicht und Präzision der Verhandlungen und Vereinbarungen. Und daran hat es gefehlt. Wir kennen den Text der Balfour-Deklaration, die, darin werden Sie mir wohl alle beistimmen, eine reine Rahmenerklärung ist, in die schier alles hineingeht, so völlig entgegengesetzte Auffassungen, wie die, die in der bekannten Rede Chaim Weizmanns über die Deklaration, und jene, die in einer ebenfalls bekannt gewordenen Rede Herbert Samuels zum Ausdruck kam. Eine Deklaration, die so entgegengesetzte Welten in sich umfaßt, bedarf einer authentischen Interpretation. Ich habe von der Festlegung einer authentischen Interpretation der Balfour-Deklaration nichts erfahren. Und zum zweiten. Ich sagte schon, das, was wir brauchen als das Minimum, um leben und arbeiten zu können, die Bedingungen, die primitivsten Bedingungen unserer Arbeit hat die Diplomatie zu erwirken. Hat sie das getan? Kann einer darauf Ja antworten, heute, wo wir vier Jahre nach der Balfour-Deklaration kämpfen müssen um das Recht unserer freien Einwanderung? (Lebhafte Zustimmung.) Ich sage: die Sicherung des Lebensminimums unserer realen Arbeit in Palästina ist versäumt worden. (Zu- 127