Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 138)
- Language
- German, English, Hebrew
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Stimmung.) Und nun der andere Teil unserer Politik — denn wir haben ja nicht bloß an Europa zu denken: die Araberfrage. Wie steht es hier mit der Sicherung des Minimums, das wir brauchen? Verhandlungen mit der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas waren die nächste logische Konsequenz der Balfour-Deklaration. Wenn sie leider nicht früher erfolgt sind, dann hätten sie so bald erfolgen müssen als es möglich war. Ich verkenne nicht die ungeheuren Schwierigkeiten, ich folge auch nicht dem Schlagwort, man solle mit Völkern und nicht mit Staaten verhandeln. Ich weiß, wie schwer das ist, mit Völkern zu verhandeln, die als Völker noch nicht konstituiert sind, noch nicht ihre legitime Vertretung haben. Und wie erst mit dem arabischen Volk! Trotzdem, es hätte etwas geschehen müssen, was nicht geschehen ist. (Delegierter Dr. Daiches: Zum Beispiel?) Ich komme darauf zu sprechen, soweit ich hier darüber sprechen kann. Ganz gewiß nicht hie und da eine Verhandlung mit einem arabischen Notabein. Allerdings haben die Verhandlungen zwei Voraussetzungen, damit sie Erfolg haben können. Die eine ist ein der ganzen Welt sichtbarer planvoller Beginn einer großen realen Kolonisationsleistung, und zweitens ein konkretes politisches und wirtschaftliches Programm als Basis der Verhandlungen. Mir scheint, daß beides gefehlt hat. Die Stunde, in der wir stehen, ist gerade in diesem Sinne, von dem wir jetzt sprechen, eine furchtbar schwere Stunde. Sie mahnt uns zur Erkenntnis, zur Entschlossenheit. Aber nicht aus dem Augenblick heraus sollen wir erkennen und uns entschließen, sondern aus der geschichtlichen Einsicht und aus dem Einblick in die dauernde Wirklichkeit der vorderasiatischen Völker, ihrer Bestrebungen und Bewegungen, denen, wo sie aus reinem, echtem und gerechtem Lebenswillen stammen, unsere nationale Sympathie gebührt. Damit die Politik, die ich meine, noch in dieser späten Stunde vor der Welt inauguriert wird, muß deutlicher ausgesprochen werden, was wir meinen und was wir wollen, vor aller Welt. Wer es hört, der wird es hören; wir jedenfalls wollen es so laut und so deutlich sprechen als wir können. Und gleichviel, ob es gehört wird oder nicht, das Wort wird bleiben. Und darum, in diesem Sinn, möchte ich Ihnen zum Schluß im Namen der Gruppe, die ich hier zu vertreten habe, der Hitachduth Hapoel Hazair we-Zeire Zion, mit dem Wunsch und in der Hoffnung, daß sie der Kongreß in gleichem Geiste, im unabgeschwächt gleichen Geiste beschließen möge, folgende Kundgebung in Form einer Deklaration vorlegen (liest): „In dieser Stunde, in der zum ersten Mal wieder nach acht Jahren der Trennung die Vertreter des selbstbewußten jüdischen Volkstums sich versammelt haben, sei von neuem vor den Nationen des Abendlandes und denen des Morgenlandes erklärt, daß der starke Kern des jüdischen Volkes entschlossen ist, in seine alte Heimat zurückzukehren und in ihr ein neues, auf unabhängiger Arbeit begründetes Leben aufzubauen (Beifall), das als organisches Element einer neuen Menschheit wachsen und dauern soll. Diesen Entschluß, den Geschlechter unserer Pioniere durch ihr Leben und Sterben bekräftigt haben, vermag keine irdische Macht zu erschüttern. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Jede Gewalttat, die um seinetwillen uns an- 128