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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 125

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 125 (sequence 135)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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junger Menschen, in denen die Idee, die uns von Anfang getragen hat, zu einer Wirklichkeit der Seele und des Lebens wurde, hat angefangen, damit Ernst zu machen. Aber in dem ganzen weiten Umkreis der Bewegung ist der Lebensernst der Idee verflacht. Wir sind der Phraseologie verfallen. Ich weiß wohl, daß alle Bewegungen dieser Gefahr ausgesetzt sind, aber immer wieder muß die Phrase durchbrochen und geläutert werden von einer Flut des echten Wortes. Und daran fehlt es. Unsere Bewegung ist in erschreckender Weise zu einem Betrieb geworden. Am deutlichsten vielleicht zeigt sich, was ich meine, an der Ideenlosigkeit unserer inneren Kämpfe. Wir sind unrein geworden. Unrein durch die Phrase, unrein durch den Betrieb, unrein durch die Art unseres inneren Kampfes. Wir müssen uns reinigen, ehe wir wieder vor das Volk, vor das gepeinigte und erniedrigte Volk treten, das aber immer noch das Am Olam, das ewige Volk, das Weltvolk ist, und zu ihm sprechen: „Reinige dich!" Was ist geworden aus der natürlichen Schichtung unserer Aufgaben? Die Chowewe-Zion, die durchaus keine unpolitischen Köpfe waren, wußten ganz gut, daß es zuerst gilt, Wirklichkeit zu scharfen, und dann, Rechte zu erkämpfen. Was sie nicht wußten, war nur, daß es auch gilt, politisch und, wenns not tut, diplomatisch die Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Herzi; der eine proklamatorische Politik, eine durch Verkündung unserer Idee an die Welt eigentlich erst das Werk einleitende Politik meinte, Herzl hatte recht, daß diese proklamatorische Politik unsere Aktionen von Anfang an begleiten mußte, aber er hatte nicht recht, wenn er glaubte, daß die Aktionen nur die Politik zu unterstützen hätten. Das Umgekehrte ist die Wahrheit. Und das ist der Punkt, dem unser Kampf, der Kampf der Jugend Chaim Weizmanns und mein Kampf und meiner Freunde Kampf gegen Herzl galt. Und das ist der Punkt, dem ebenderselben Menschen Kampf gegen Wolffsohn galt. Wie ist es jetzt? Die Diplomatie ist die Herrin, die reale Arbeit ist die Magd geworden, statt daß sie gleichgeordnete Werkgenossen seien. Die Folge davon ist die Zusammenhanglosigkeit unserer Arbeit, ihr unorganischer, mechanischer, improvisierter Charakter. Eine Aenderung tut not. Es müssen die besten Kräfte auf die reale Arbeit, auf das Wesentliche unserer Arbeit gesammelt werden. Und dazu tut allerdings für uns alle eine Wandlung not. Aber dazu tut auch noch etwas anderes not und da muß ich das Wort an Chaim Weizmann selber richten: Du bist uns unersetzlich, aber sei, wir bitten dich, sei darauf bedacht, uns deine Unersetzlichkeit nicht aus einem Stolze zu einer Demütigung zu machen. Stelle die Männer, die wir dir als Mitarbeiter geben — und wir wollen dir unsere Besten als Mitarbeiter für die reale Arbeit des Zionismus geben — stelle sie neben dich (Beifall). Indem du ihre Aemter hebst, hebst du das deine vor den Augen des Volkes und vor den Augen der Geschichte. Was ist geworden aus der Erfassung und Verwirklichung der einzelnen Aufgaben? Volkserziehung — einzelne Versuche sind geschehen einer wirklichen Erziehung. Was sich aber breit macht und der Welt sichtbar wird, das ist Agitation statt Erziehung, Leichtmachen statt Schwermachen, Verbilligung des Ideals. Man behandelt die Idee als etwas, was ganz gut 125

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