Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 133)
- Language
- German, English, Hebrew
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unser vergossenes Blut wenigstens den Nutzen, uns zur Erlangung unserer Rechte in unserem Lande zu verhelfen. Ich wiederhole die Worte Gottes an Josuah „C h a s a k w e e m a z". Nichts kann uns verzagen lassen, weder die inneren Meinungsverschiedenheiten noch die palästinensischen Unruhen. Das alles wird vorübergehen, und der Gedanke unserer Wiedergeburt wird siegen. Wir müssen Mut haben und in voller Hoffnung unsere Arbeit fortsetzen. Möge dieser Kongreß der erste der Geulah und der letzte im Galuth sein. (Lebh. Beifall.) Vizepräsident Motzkin: Das Wort hat Herr Dr. Martin B u b e r. Delegierter Dr. Martin Buber (Hitachduth—Deutschland, spricht deutsch): Freunde und Gefährten! Die schwere Stunde der Erkenntnis, der Selbsterkenntnis, hat zu schlagen begonnen, und ihren Pendelschlag kann nichts mehr aufhalten. Darum ziemt es sich jetzt nicht mehr, Kritik an Personen zu üben, und es genügt nicht, Kritik zu üben an Zuständen, an Institutionen und an Aktionen. Es gilt auch, Kritik zu üben an dem Innersten des Zionismus, an dem Innersten des gegenwärtigen Zionismus, an seinem Verhältnis zur Idee. Und wenn ich dies das Innerste und Wesentlichste nenne, so weiß ich mich eins mit dem Geiste des Mannes, der diesen Kongreß geschaffen hat und zu dessen Füßen ich einst gesessen habe, auch dann, wenn ich gegen ihn stritt. „Im Anfang war die Idee." Das bedeutet aber nur, daß sie von Anfang an unseren Willen und unser Tun getragen hat. Das bedeutet nicht, daß sie klar und reif schon in uns gelebt hat. Sie ist erst mit der Zeit immer klarer, immer reifer, bewußter, größer in uns geworden. Die Idee, die uns getragen hat, die Idee der Wiedergeburt — zu klein hatten wir sie gefaßt, als wir von Renaissance sprachen. Zu klein, als wir meinten, es sei nur ein nationaler Begriff, zu klein, als wir meinten, es sei nur eine historische Kategorie. Gemeint ist in W'ahrheit der große religiöse Begriff der Wiedergeburt, der zweiten Geburt mitten im Leben eines Lebewesens, mitten im Leben des einzelnen Menschen, das, was jede Religion als das Innerste des Zusammenhanges des Menschen mit dem Absoluten fühlt und was die jüdische Religion unter den Begriff der Teschubah gefaßt hat. Wie unsere Sage von Abraham erzählt, daß er, als er sich aus den Gebundenheiten seines Lebens löste und sich zum Bund mit Gott erhob, zu einer neuen Schöpfung, briah chadaschah, geschaffen wurde, so ist es auch mit dem Volk und so ist es auch mit diesem Volk. Der Kern des jüdischen Volkes will sich erneuern, so wie sich der einzelne Mensch mitten im Leben erneuern kann. Und das kann er nur in Erez Israel. Aus dieser Idee eines Neuwerdens an diesem Punkte der Volksgeschichte gehen die Aufgaben der zionistischen Bewegung hervor. Aber nicht bloß die Aufgaben, sondern auch deren Schichtung, deren Rangordnung. Die erste wesentliche Aufgabe ist, das Volk zu der Bereitschaft für die Wiedergeburt zu erziehen, zu der wrahren Teschubah, zu der wahren Umkehr von seinem Wege zu erziehen. Und freilich, die Unbereitschaft des 123