Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 128)
- Language
- German, English, Hebrew
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bis nach links. Es gibt kein Mittelding zwischen einem jüdischen Kongreß und einem zionistischen, es gibt nur einen jüdischen Kongreß, und das ist der zionistische. Wir verfallen hier wieder in den Fehler der Londoner Jahreskonferenz. Man spricht immerfort nur von Amerika, als ob sich der ganze Zionismus nur auf Brandeis stützen würde. Ich kenne die Lage in Amerika gründlich und die amerikanischen Delegierten werden mir darin beistimmen, daß der Einfluß von Brandeis sehr überschätzt wird. Es ist nicht richtig, daß W e i z m a n n die Zionistische Organisation Amerikas zerstört hat. Wenn wir es Weizmann vorwerfen, daß er es nicht verstanden hat, die verschiedenen Kreise des Judentums heranzuziehen, so hat es Brandeis erst recht nicht verstanden. In Palästina ist es soweit gekommen, daß man dort einen Verein der Sabbathfreunde gründen mußte, und wenn man uns tröstet, daß dort nicht alle Küchen der Arbeiter unrituell sind, so ist das genau dasselbe, wie wenn die Polen sagen, daß sie nicht 100, sondern nur 10 Juden ermordet haben. Nicht die Quantität ist wichtig, sondern das Prinzip. Ich weiß, daß auch U s s i s c h k i n mit der Lage unzufrieden ist. Warum schafft er, der eiserne Mann, keine Abhilfe? Man sagt uns, die Gesetze erlauben das nicht, aber es gibt Sachen, die über allen Gesetzen stehen, und das ist das Leben des Judentums. (Lauter Beifall.) Und genau so wie Weizmann über ganz Amerika den Ruf hat ertönen lassen: „Hände weg von der Organisation!", so muß ein Ruf ergehen von Jerusalem bis Damaskus, nicht nur des Geldes wegen, sondern auch der Sache wegen: „Hände weg vom Judentum!" Ich bedauere, über religiöse Gefühle, über heilige Dinge vom politischen Standpunkt sprechen zu müssen. Nicht Sie sind befugt, darüber zu urteilen, wie der Misrachi über die Erziehung denkt. Die Erziehung ist für uns eine politische Frage, eine Frage der Aufrechterhaltung des Judentums. Ich hoffe, daß Sie unsere Forderungen verstehen werden, und wenn Sie uns sagen, daß das alles nur Kleinigkeiten sind, antworte ich Ihnen darauf, daß man über die Wichtigkeit oder Unwichtigkeit von solchen Dingen nicht urteilen kann. Ich erinnere an den Talmudspruch, daß mehr noch als wir den Sabbath aufrechterhalten, der Sabbath uns aufrechterhält. Nicht nur in Palästina, sondern auch in der Diaspora ist die Beziehung der Organisation zur Religion zu verzeichnen. Das offizielle Blatt „Jlaolam" bezeichnet alte Bräuche und Gesetze als einen Barbarismus. vWir wollen auch in diesem Sinne kein geteiltes Palästina. Palästina muß ganz bleiben, ganz jüdisch in der Tat und im Geiste. Ich wiederhole, daß unsere Führer großes geleistet haben, sie haben aber unseren orginellen Geist nicht verstanden. Man darf auch bei Arbeitern nicht danach fragen, ob jemand einer oder der anderen Partei angehört. Man darf nicht mit einer Hand bauen und mit der anderen zerstören. Man darf in der Erziehung nicht eben solche Experimente machen, wie man sie in der Kolonisation gemacht hat. Wir brauchen Taten, Aufbauarbeit, wir müssen aber ein Jerusalem bauen und kein Rom. Vizepräsident Motzkin: Ich mache die verehrten Gäste über Wunsch sehr vieler Delegierter aufmerksam, daß die Galerie nicht das Recht hat, an Ausdrücken der Zufriedenheit oder des Unwillens teilzunehmen. Sie können weder Beifall klatschen noch sonst Ihre Meinung hier äußern. Delegierter Dr. Osias Thon (Westgalizien, spricht hebräisch): Sehr geehrter Kongreß! Volle acht Jahre war das jüdische Volk stumm, ganz stumm gewesen. Auf diesem Kongreß wird erst das jüdische Volk wieder den Mund auftun und seine Wortführer werden laut und klar zur Welt reden. Jawohl, wir müssen unsere Stimme laut erheben und über 118