Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 127)
- Language
- German, English, Hebrew
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Delegierter Meyer Berlin (Misrachi, Amerika, mit stümischem, anhaltenden Beifall begrüßt, spricht hebräisch): Es fällt mir sehr schwer, über unsere Leitung zu sprechen, denn es handelt sich hier nicht um eine Leitung, sondern um viele Leitungen, die während dieser 8 Jahre an unserer Spitze gestanden haben. Es sind uns viele Berichtsbücher vorgelegt worden, in Palästina allein waren 3 zionistische Kommissionen, und man kann die jetzige Zionist Commission für die Fehler der beiden Vorgängerinnen nicht belasten oder sie für ihre Verdienste loben. Diese Zionist Commission, an deren Spitze Friedenwald und Szold gestanden haben, ist hier nicht vertreten und wir haben niemand, von dem wir Rechenschaft verlangen könnten, obwohl es keinem Zweifel unterliegt, daß vieles geschehen ist, was man rügen könnte. Im Namen des Misrachi erkläre ich, daß wir uns dessen bewußt sind, wer die heutige Lage geschaffen hat. Wir dürfen nicht vergessen, daß die große politische Arbeit für die Balfour-Deklaration und San Remo von W e i z m a n n und S o k o 1 o w geleistet wurde. Und schon deshalb müßte man ihnen viele Fehler verzeihen. Man muß aber auch über diese Fehler sprechen. Es ist sehr zu bedauern, daß der Greis hier fehlt, von dem man bisher noch mit keinem Worte gesprochen hat. Und wenn er auch dem Misrachi sehr fern steht, nenne ich hier seinen Namen — Max Nordau. (Stürmischer Beifall.) Und noch einen Kritiker vermissen wir hier, und das ist Dr. Weizmann. Wenn wir ihn von seiner Höhe herunterholen könnten, er würde scharfsinnig alle begangenen Fehler kritisieren. Wir brauchen dringend Selbstkritik, und Weizmann müßte alle Fehler der Exekutive am besten kennen. Weizmann ist in England politisch erzogen worden und weiß, daß England durch zwei Umstände groß geworden ist — Demokratie und Tradition (Beifall). Und beides vermißten wir in den letzten Jahren. Während einer Krisis wie der jetzigen müßte der Präsident der Organisation versuchen, alle positiven Kräfte zur Arbeit heranzuziehen. Das hat man bisher unterlassen. Man hat es bei Ernennungen stets versäumt, sich an die großen Parteien zu wenden und hat die Leitung immer aus einem engen Kreise ernannt. Die Exekutive bestand nicht aus den einflußreichsten Kräften des Volkes. In Palästina nennt man das mit einer nichthebräischen Bezeichnung „Protektionismus". Dieses System darf bei uns nicht länger vorherrschen, und wir müssen bestrebt sein, alle Kreise des jüdischen Volkes zur Arbeit in Palästina zu gewinnen. Weizmann denkt, daß die Arbeit von einzelnen Personen gemacht werden kann, die auf das Volk keine Rücksicht zu nehmen brauchen, wenn sie nur einem gewissen Kreise angehören. Als Weizmann nach Amerika kam, um das Volk für Palästina zu begeistern, hat er es nicht für nötig gehalten, jemanden mitzunehmen, der auf die Mehrheit des amerikanischen Judentums Einfluß hat und für die religiösen Gefühle Verständnis hat. (Zwischenrufe: Warum?). Ich will Ihnen das erklären. Dr. Weizmann hat es nicht vergessen, einen mitzunehmen, der gegen die jüdische Tradition wirkt. (Zwischenrufe: Mossinsohn.) Der Leitung ist es nicht gelungen, weite Kreise heranzuziehen, nicht einmal unsere reichen Juden. Ich meine hiermit den Economic Council, denn James Rothschild hat in Amerika nur Papiererfolge gehabt, und dieser Economic Council konnte keinen Erfolg haben, weil Weizmann in ihm fehlte. Seine Pflicht war es, sich darum zu bemühen, daß im Economic Council Zionisten sitzen. Ich stimme mit Simon darin überein, daß, wenn der Keren Hajessod eine selbständige Institution bleibt, die Zionistische Organisation keinen Einfluß haben wird, da sie auch kein Geld haben wird. Schon aus diesem Grunde müßte man den Arbeitskreis des Zionismus erweitern, von rechts 117