Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 121)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sache des J. N. F., zu protestieren. Sie hätten das verhindern müssen, nicht als Präsident — ich weiß, wie die Parteikämpfe gehen — aber als Gentleman, daß mir ein solcher Vorwurf gemacht wird. Ich bin unabhängig, aber auch allein gestanden und gestern abends ist es mir wie ein Blitz eingefallen, daß mich Schmarja Levin wegen meiner Stellung zur Auffassung Brandeis' in der Bodenfrage interpelliert hat. Gestern abend hat er mit Zwischenrufen gegen Simon und die alten Amerikaner protestiert. Ich bin neugierig, wie er zur dritten Gruppe der Amerikaner sich stellen wird. Agenten der Amerikaner sind wir nicht gewesen! Ich weise diese Beschuldigung, weil sie hier zu einem Mittel und zu einer Waffe gemacht wird, entschieden zurück. Aber es soll nicht mißverstanden werden. Ich freue mich, daß wir imstande gewesen sind, über wichtige Punkte eine Uebereinstimmung zu erzielen, über die Gegenwartsarbeit in der Diaspora, darüber, daß das Diplomatisieren gegenüber der politisch-ökonomischen Aufbauarbeit zurückgestellt werden muß, über die Heranziehung aller jüdischen Kreise zur weiteren Arbeit in Palästina und darüber, daß die Palästinaarbeit erst saniert werden muß. Wenn Sie einen Sumpf trocken legen wollen, so müssen Sie erst drainieren. Auch was die Forderung einer integren Verwaltung betrifft, so waren wir übereinstimmend. „Wir hätten vergessen, daß die Kolonisation auf Ratenzahlung gemacht ist." Diese besteht aber nicht. Sie kann bestehen, wenn aus den Einkünften der Wirtschaft neue Investitionen oder Ameliorationen gemacht werden. Das geschieht bei den Farmen des Jüdischen Nationalfonds aber nicht. Man kann zwar immer sagen, das sind Ameliorationen und Ratenzahlungen; doch zahlenmäßig sind es kapitalisierte Defizite. „Füll equipment" hat nichts mit Ratenzahlung zu tun, aber mit Wirtschaften, bei denen die Besitzer nicht materiell interessiert sind, und die wieder geführt werden nach der Theorie von dem reichen Onkel. Ich habe zufällig einmal bei der Buchführung entdeckt, es wurden jahrelang alle Abschreibungen beim J.N.F.- Betriebe auf das Kapitalkonto reaktiviert. Auch das kann man schlecht Ratenzahlung nennen. Aber es ist mehr. Nach so vielen Jahren Arbeit haben wir nur negative Kenntnisse von Palästina und von der Agrarwirtschaft. Das ist die Ursache unserer Fehler, darauf habe ich wiederholt hingewiesen, bei unseren Sachverständigen wie bei allen andern. Ein anderer wichtiger Punkt ist folgender. Unsere Investitionen in der Landwirtschaft geschehen nach Vorschlägen der Sachverständigen, die darauf abzielen, zu europäischen Erträgnissen zu kommen, damit die Juden mit den Arabern konkurrieren können. Dort ist der schwache Punkt. Die Investitionen sind so groß wie in modernen Betrieben; das Verhältnis zwischen dauernden Investitionen und Betriebskapital ist stark abweichend. Die Ernte pro Einheit ist dabei oftmals unter der arabischen oder etwas darüber. Ein guter Verwalter legt hier den Finger an und weiß, daß hier ein Loch ist im Fundament des agrarischen Aufbaus Palästinas. Wenn Sie so viel investieren, um Erträge zu bekommen und Sie bekommen diese Erträge nicht, so ist der Aufbau dauernd gefährdet. Natürlich gibt es eine Menge anderer Punkte. Ich sagte, wir haben keine positive Kenntnis... III