Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 120)
- Language
- German, English, Hebrew
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wendig ist, und man hat uns gesagt, daß wir die Juden nicht verstehen. Wenn es große Gruppen gibt — hat man uns vorgetragen — so fallen sie auseinander und verstehen einander nicht. So könnte ich hundert Beispiele nennen, und Sie sollten sich die Zeit nehmen, sie anzuhören. Ich habe das von der Psychologie noch einmal gehört. Als wir von der intensiven Besiedlung sprachen, hat man uns entgegengeworfen: die Geschichte kennen wir schon. Der Fall ist der, daß der Jude ebensowenig wie der Amerikaner bei der intensiven Besiedlung seine Nägel schmutzig machen will, und daher wird es nicht gelingen. Ich habe vorgeschlagen, man solle eine Maniküre für die Kolonisation beistellen. (Heiterkeit.) Lachen Sie nicht darüber! Ich sage Ihnen, so verdirbt mamein gutes Element. Sehen Sie doch die Straßenarbeiter an, was die leisten, was für Opferfreudigkeit sie haben. Das ist das Schönste. Und von solchen Leuten nimmt man an, daß, wenn sie Gelegenheit hätten, in der gleichen Weise in der Landwirtschaft zu arbeiten, man sie nicht dazu bringen würde, weil die Methode nicht geeignet ist. (Ussischkin: Wer hat Ihnen das gesagt?) Das war am Freitag Nachmittag. Vizepräsident Motzkin: Sie werden gebeten, zum Kongresse zu sprechen. Delegierter de Lieme (fortfahrend): Als ich den Vorwurf gelesen habe, daß wir die Vorschläge von Ruppin übernommen haben, war ich wie vor den Kopf geschlagen. Herr Simon hat das schon ausgeführt und Herr Dr. Ruppin muß mir glauben, daß ich auch schon von einer Hypothekenbank gehört und mich damit beschäftigt habe, ehe er daran gedacht hat. Er hat auch in einem seiner vielen Memoranden über Lebensversicherung gesprochen. Ich bin, obwohl jung, ein alter Techniker auf diesem Gebiete und weiß, daß dieses Memorandum nicht orientiert ist. Man kann mir dann doch nicht vorwerfen, daß ich Ruppin nachschreibe. Ich habe einige Erfahrungen in Kreditfragen der Arbeiterschaft und Kooperativgenossenschaften und wie man die finanziert — wieder in aller Bescheidenheit gegen Dr. Ruppin gesagt — vielleicht mehr als er. Darum ist noch nicht dasjenige, was er will, dasjenige, was wir wollen. „Wir haben das Brandeisrezept befolgt." — Wenn Sie objektiv beide Berichte nebeneinanderlegen, so sehen Sie, daß die Auffassungen oftmals verschieden sind und daß selbst die Ausarbeitung verschieden ist. Uns darzustellen als Agenten der Amerikaner, ist wirksam und wird auch in diesem Saale noch wirken, nachdem wir gesprochen haben, aber es ist nicht wahr und, Herr Dr. Weizmann, — ich habe Ihnen einen persönlichen Vorwurf daraus zu machen — Sie haben nicht verhindert, daß man mir das vorgeworfen hat. Sie sind dabei gewesen und Sie wissen es, wie ich der einzige gewesen bin, der in der Bodenfrage seine Auffassung gegenüber den Amerikanern vertreten hat. Sie mußten wissen, daß — gouverner c'est prevoir — daß ich verschiedene Memoranden an Sie und die Amerikaner gerichtet habe, selbst als ich noch kein Mitglied der Exekutive war, um gegen die organisatorischen Auffassungen der amerikanischen Leitung, speziell in 110