Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 101)
- Language
- German, English, Hebrew
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Beifall und Händeklatschen.) Wir werden, gemessen an der Aufgabe, die Zwergorganisation bleiben oder wir werden gezwungen sein, selber eine neue Organisation zu schaffen, die uns ablöst. Der Keren Hajessod ist der erste in seinen Konsequenzen nicht überdachte Versuch dazu. — Und damit wären wir bei des Pudels Kern. Die Zionistische Organisation erweitern, heißt natürlich die Anerkennung des Basler Programms zur alleinigen Bedingung für die Aufnahme in die Organisation zu machen, heißt endgültig mit der Fiktion zu brechen, daß die Zionistische Organisation alle jüdischen Angelegenheiten in der Welt führen müsse, heißt nationale Politik und den Umfang und die Form national-kultureller Erziehungsarbeit in der Diaspora dem freien Ermessen der einzelnen Landsmannschaften zu überlassen, statt sie zum Credo des Zionismus zu erheben. (Zustimmung.) Es heißt, wer dieser Art die Zionistische Organisation erweitern wolle, töte ihren Geist. Nun, ich habe mein Leben lang für national-kulturelle Erziehung in der Diaspora geeifert, aber das muß ich doch sagen: das ist nicht wahr. Die Aufgabe, Palästina aufzubauen, — nicht davon zu schwärmen, wie vor dem Krieg, sondern tatsächlich — und nicht eine Zufluchtstätte für arme Juden, sondern das nationale Heim für das jüdische Volk, ist genug voll werbender Kraft, um alle Schönheit, Begeisterung und Opferwilligkeit auszulösen, die die Volksbewegung des Zionismus braucht. Welche Bankrotterklärung des zionistischen Gedankens, wenn wir zu behaupten wagen, daß sich die Massen vom Zionismus abwenden, wenn wir uns auf den Aufbau Palästinas konzentrieren! Wie weit sich die Begeisterung für das Aufbauwerk in Taten umsetzen wird, hängt von der Arbeit ab, die wir in Palästina leisten. Je besser diese Arbeit geleistet wird, um so stolzer wird sich jeder Einzelne mit dem Werk verbunden fühlen, zu dem er selber beigetragen hat, um so freudiger wird er auch selbst in die Bresche springen, wenn man seiner bedürfen wird. Von diesem Stolz und dieser Bereitschaft bis zur systematischen Entwurzelung der Jugend von ihrer heutigen Umgebung ist ein langer Weg. Den möge jede Landsmannschaft unter sich ausmachen. (Sehr richtig!) Jeder Jude aber, in dem der Wille lebendig ist, das nationale Heim zu schaffen, muß das Recht jedes Schekelzahlers haben, nämlich aktives und passives Wahlrecht zum Kongreß und damit zum A. C., zur Exekutive, zu den finanziellen Institutionen der Organisation. (Sehr richtig!) Ich nannte die Forderung, daß die Zionistische Organisation alle jüdischen Angelegenheiten in der Welt führen müßte, eine Fiktion. Denn die Organisation hat bisher niemals nationale Politik in der Diaspora gemacht und sie kann sie auch nicht machen, denn die Länder, welche wir in ihrer nationalen Politik beeinflussen wollten, würden es sich verbitten, daß wir aus ihrer Haut Riemen schneiden. Das konnte man allenfalls während des Krieges tun. Außerdem aber fehlen ihr die Mittel, um nationale Politik in der Diaspora zu treiben; der ganze Streit bleibt also so lange ein theoretischer, so lange wir nicht zionistische Gelder 91