Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 92)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4382-3480526- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tionen erfolgen, die untereinander vollkommen unabhängig sein müssen und bei denen auch die Personalunion nach Möglichkeit zu vermeiden ist. Ist es noch notwendig, hinzuzufügen, daß die Verwaltung nach ausschließlich sachlichen Motiven zu arbeiten hat, unbeeinflußbar von den hundertundeinen Katastrophen, die in Palästina immer bevorstehen, wenn es gilt, Geld zu erzwingen? Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat in diesen voneinander unabhängigen Institutionen einen tatsächlichen Einfluß auf die Wirtschaftspolitik dieser Institute zu nehmen, einen tatsächlichen, nicht nur einen fiktiven, wie bisher; sie hat sich aber weiterer Einmischung in die Verwaltung zu enthalten, weil dafür nur ein Prinzip Geltung hat: das sachliche. Eine Hypothekenbank in Palästina ist nichts anderes als eine Hypothekenbank sonstwo. Ebenso eine Handelsbank. Ebenso eine kooperative Bank. Will eine dieser Banken in Palästina etwas anderes darstellen als in anderen Ländern, dann bricht sie zusammen. Eine Exekutive, die ihrer Aufgabe gewachsen ist, wird freilich ihre Institute ihrer allgemeinen Wirtschaftspolitik dienstbar zu machen verstehen, die Hypothekenbank zum Beispiel dienstbar machen einer gesunden Bodenpolitik in Stadt und Land, aber nicht etwa dadurch, daß sie ungesicherte Kredite zugunsten solcher Politik gibt, sondern dadurch, daß sie die Hergabe gesicherter Kredite mit ihrem Veto belegt, wenn sie gegen diese Politik verstoßen. Denn wenn ich eingangs auch sagte, daß es so etwas wie einen Kolonisationsplan nicht gibt, so gibt es doch etwas anderes: planmäßige Kolonisation. Dazu sind erforderlich strengste administrative Grundsätze und klares Verständnis für das, was unsere Aufgabe ist Lassen Sie uns zuerst feststellen, was unsere Aufgabe nicht ist. Nicht in der Zionistischen Organisation hat sich das ganze jüdische Leben Palästinas zu konzentrieren, sondern eine Reihe von Faktoren ist berufen, zum Aufbauwerk beizutragen. Diese Faktoren sind: 1. die Regierung Palästinas, 2. die bereits im Land ansässige Bevölkerung, 3. die einwandernden jüdischen Elemente, sobald sie wirtschaftlich unabhängig geworden sind, 4. die von der außerpalästinensischen Judenheit geschaffenen Institutionen, 5. die Zionistische Exekutive. Die Zionistische Exekutive muß dabei mehr und mehr führende, koordinierende und kontrollierende Behörde werden, nicht eine Körperschaft, die selber die Dinge schafft oder gar einfach subventioniert. Nur dann wird die Zionistische Exekutive unbefangen beurteilen können, inwieweit jede einzelne Unternehmung tatsächlich mit nationalen Mitteln ausgeführt werden muß oder ob das Werk in erster Reihe andere Faktoren angeht. Nur dann wird die Zionistische Exekutive sich den großen Ueberblick über das ganze Werk wahren können. Soweit die jüdische Bevölkerung Palästinas in Betracht kommt, hat eine entschlossene und zielbewußte Exekutive keine ernsthaften Widerstände zu besorgen. Zu breite Kreise in Palästina haben schon die politische und erzieherische Bedeutung dieser Emanzipation anerkannt. Gegenüber der Regierung liegt unsere Stärke vor allem in der Tatsache, daß neben der Steuerkraft des Landes, sowie etwa bei Ausnützung 82