Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 66)
- Language
- German, English, Hebrew
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Präsident Sokolow: Der Kongreß kann auf solche Einzelheiten und Streitigkeiten nicht eingehen. Nach den Statuten haben wir bloß den Vorsitzenden des Legitimationsausschusses anzuhören un'd jene Personen, deren Mandate bestritten werden. Diese können aufklären und protestieren. Sie sind ja hier im Saal, wenn sie sich zum Worte melden, bekommen sie es. (Rufe: Sie sind nicht da!) Berichterstatter Dr. Margulies: Es wurden doch allen denjenigen, deren Mandate bestritten werden, provisorische Karten ausgefolgt. Delegierter Struck (Misrachi, deutsch): Hoher Kongreß! Wenn der Legitimationsausschuß sich mit dem großen Worte charakterisiert, das sein Vorsitzender gebraucht hat, daß er sich hier als ein Gerichtshof etabliert — ich zediere dem Juristen diesen Ausdruck, den ich merkwürdig finde, — dann muß peinlichst darauf geachtet werden, daß strengste Gerechtigkeit geübt werde. Ich glaube, das einfachste Erfordernis der Gerechtigkeit ist, daß den Leuten, die hier „angeklagt" sind, Männern, die aus weiter Ferne hierher geeilt sind, um mit uns zu tagen, wenigstens Gelegenheit gegeben werde, auf die Anklage zu antworten, bevor der Kongreß darüber entscheidet. (Lebhafte Zustimmung.) Präsident Sokolow: Ich will Ihnen den betreffenden Paragraphen der Geschäftsordnung vorlesen. (Liest): „§ 17. Spätestens in der zweiten Plenarsitzung erstattet der Legitimationsausschuß seinen Bericht. Die Entscheidung erfolgt debattenlos nach Anhörung des betreffenden Delegierten, der sich auf tatsächliche Aufklärungen zu beschränken hat, und des Referenten des Ausschusses. Bis zur Entscheidung hat der Gewählte Sitz und Stimme." Ich habe angenommen, daß alle diejenigen Delegierten, deren Mandate bestritten werden, sich hier im Saale befinden. Wenn diese Herren etwas zu sagen haben, ist es selbstverständlich, daß man ihnen das Wort erteilen muß, um aufzuklären. So haben es die .Statuten festgesetzt. Andere Personen jedoch dürfen sich an dieser Debatte nicht beteiligen. Herr Schochetmann (Beßarabien, jüdisch): In Beßarabien hat sich eine Misrachi-Organisation gegründet, die einen schweren Kampf durchgeführt hat. Es wurde uns in Beßarabien gesagt, daß diese Misrachiföderation eine eigene Gruppe bildet. Wir haben 2500 Schkolim aufgebracht und haben geglaubt, wie man uns versichert hat, auf 3 Delegierte Anspruch zu besitzen. Und so sind wir nach Karlsbad gekommen. Berichterstatter Dr. Margulies: Ich will Herrn Struck zugeben, daß er kein Richter ist, auch in diesem Falle nicht, und ich muß konstatieren, daß uns diese Mitteilungen bekannt waren, daß wir uns aber nicht in der Lage fühlen, ein Statut, welches beschlossen ist und die Grundlage dafür ist, daß Sie alle hier sitzen, abzuändern. Ich muß daher in Uebereinstimmung mit dem Legitimationsausschusse an dem Antrage festhalten. Präsident Sokolow: Wir schreiten zur Abstimmung. Wer für den Antrag des Legitimationsausschusses ist, möge die Hand erheben. Ich bitte zu zählen. (Nach erfolgter Auszählung): Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach erfolgter Aus- 56