Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 39)
- Language
- German, English, Hebrew
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dahin wird ein auf gegenseitiger Achtung beruhendes Verhältnis aufrechterhalten werden. Uns ist jeder Stein, jedes Sandkörnchen Palästinas heilig und wir wollen alle Heiligtümer dieses Landes geschützt und gewahrt sehen. Diese Erklärung haben wir seinerzeit dem ehrwürdigen Oberhaupt der katholischen Kirche abgegeben und es war entgegenkommend und gab seiner menschenfreundlichen Gesinnung vollen Ausdruck. Es ist vom ersten Beginn unsere schwerste Sorge gewesen, es möchten andere Geister sich eindrängen und so weit wie möglich das wieder verderben, was im Bewußtsein höchster Verantwortlichkeit Gutes angefangen worden war. Gleichwohl wollen wir nicht ablassen von der Hoffnung, daß die Macht der Dinge auch dieses Mißverständnis glücklich überwinden wird. Angesichts dieser Tatsachen und Verhältnisse, dieser Bestrebungen auf der einen und Befürchtungen auf der anderen Seite, ist es ein Irrtum, die Bedeutung einer weiteren zionistisch-politischen Arbeit herabzusetzen oder gar zu leugnen. Ist einmal das jüdische Volk ein Faktor in der Weltpolitik geworden, so muß seine Politik wie die eines jeden Volkes sein: nicht eine Improvisation, sondern eine beständige Arbeit. Der Charakter unserer politischen Arbeit. Unsere Politik kann nur eine Politik der Verständigung und des Aufklärens sein, und eine solche Arbeit muß von langer Dauer sein. Wenn in den internationalen Streitfragen die bessere Logik die größere Macht wäre, wenn Argumente Waffen ersetzen könnten, wer hätte größere und schnellere Siege davongetragen als wir? Wir müssen uns aber dessen bewußt sein: wir verfügen über Machtmittel rein geistiger Natur. Die Wirkung dieser Machtmittel ist sicherer, aber langsamer als die der materiellen Waffen. Deshalb muß unsere Oeffentlichkeit für die Größe unserer Aufgabe, für die wirklich vorhandenen Schwierigkeiten und Gegensätze und für die zu deren Beseitigung erforderliche Zeit einen richtigen Maßstab gewinnen. Man möge doch bedenken: ein Jahrhundert lang haben wir in manchen Ländern für bürgerliche Rechte gekämpft. Jahrzehnte angestrengtester Bemühungen kostete es beispielsweise die englischen Juden, um ins Parlament zugelassen zu werden. Ja, in Rußland mußte die Judenschaft im Laufe von Generationen ihre ganze Kraft aufbieten, um irgend ein Zugeständnis in Sachen des Wohnrechtes zu erwirken. Der Kampf gegen das schmachvolle „More Judaico" dauerte auch in westeuropäischen Ländern Jahrhunderte. Nie wurden unsere Väter müde, nie scheuten sie die schwersten Opfer, nie überwältigte sie jene Stimmung, die den bestechenden Schein heroischer Entschlossenheit hat, im Grunde aber nur eine Geste ist, die sich darin gefällt, ein „Entweder — oder44 auszurufen. Sie wußten, die alten, klugen Juden, daß es keine Auswahl und keine Alternative ist, daß sie unter allen Umständen leben und kämpfen müssen, daß ihre 29