Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 38)
- Language
- German, English, Hebrew
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blicksstimmungen, die in der Politik nicht zu ernst genommen werden dürfen. Es ist vielmehr zu hoffen, daß sie von einer so falschen Auffassung zurückkommen und an die Stelle des undurchführbaren Bestrebens, die von dem Areopag der Großmächte angenommene Baifoursche Deklaration aufzuheben, den Wunsch stellen werden, ihre Interessen möglichst in Einklang zu bringen mit denen des jüdischen Volkes. Mit hoher Genugtuung würde es begrüßt werden müssen, wenn die Araber in diesem Geiste iher Aufgabe begriffen, ein großer Fortschritt im Orient müßte sich daran knüpfen. Solange man sich im Stadium der Schlagwörter befindet, ist die Verständigung schwierig, aber sobald man an die Arbeit gehen wird, werden staatsmännische, praktische, geschäftsmäßige Gesichtspunkte die Oberhand gewinnen, die zu einer Verständigung und zu einer Zusammenarbeit drängen. Das große Arabien, Mesopotamien, Syrien und Palästina bieten für die Kraft und den Unternehmungsgeist der Völker Felder in reicher Auswahl. Da soll kein Gegeneinander, sondern ein Nebeneinander die Parole sein! Alle gegen das Elend, die Verwahrlosung, die Trägheit, die Krankheiten, die Unwissenheit, das Nomadentum — für den Ackerbau, die Industrie, den technischen Fortschritt, den Handel, die Rechtspflege, die öffentliche Sicherheit, die Reform des Verkehrswesens, die Wissenschaft, die Künste! Das Beste und das Tiefste unseres Wissens und Könnens, das Ganze unseres Wesens sind wir entschlossen, diesem Zivilisationswerk zu widmen. Dies hat die Welt begriffen, als sie die keimkräftige Idee einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina feierlich akzeptiert hat. Sie hat es begriffen, daß diese Heimstätte ein strahlendes Vorbild für den ganzen Orient zu werden bestimmt ist. Und mögen die Vorurteile noch so sehr momentan das Licht der Vernunft verdunkeln, die Zeit, die den „Zwang zum Schaffen" schon mit sich führt, wird allmählich für Abhilfe und Heilung sorgen. (Lebhafter Beifall.) Die heiligen Stätten. Dasselbe gilt auch von der Heiligkeit Palästinas, die in letzter Zeit wiederum als Argument gegen den Zionismus benutzt wird. Daß Palästina für die großen Religionen der Menschheit heilig ist, das ist eine Tatsache, die wir nie außer acht gelassen haben. Wir begreifen die Pietät, die Andacht und die Begeisterung, die die heiligen Stätten des Christentums in den gläubigen Gemütern wecken; wir schätzen die fromme Anhänglichkeit des Islam an seine religiösen Monumente. Wir haben uns zur Höhe dieser Ruhe und dieser Achtung emporgerungen. Das unverletzliche Recht des Gewissens, die religiöse Freiheit muß in dem gottgeadelten Jerusalem thronen. Denn Jerusalem ist nicht nur eine Stadt, sondern ein Prinzip: der Friede. Wenn irgend ein Ort, so ist es Jerusalem, das einmal ein Band der Brüderschaft um die Nationen und Religionen schlingen wird. Bis 28