Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 36)
- Language
- German, English, Hebrew
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zu werden. Keine irdische Macht kann dieses Bestreben und dieses Ideal brechen. (Stürmischer Beifall.) Nur wo aus freier Liebe, aus hochherziger Selbstverleugnung, aus der Gemeinsamkeit der Interessen und Bedürfnisse sich freie Völker die Hand zu einem festen Bunde reichen und in freiem Entschlüsse so viel von ihrer Eigentümlichkeit aufgeben, daß das Ganze damit bestehen und sich daraus hervorbilden kann — da kann auch eine dauernde Einheit gedeihen. Das jüdische Volk ist immer den Weg der Selbstverleugnung gegangen, hat für die allgemeinen Interessen der Menschheit die größten Opfer gebracht und so reichliche Saaten des Undanks, des Neides, der Verleumdung und Verlästerung es auch geerntet hat, es wird auch ferner den Weg der edlen Besonnenheit gehen und seinen Blick auf das große Ganze gerichtet halten, nicht beirrt durch Fanatismus und Leidenschaft oder durch die Maßlosigkeit unbegründeter Ansprüche. Aber es wird auch mit sicherem Bewußtsein seine nationale Würde behaupten und sich seine Individualität nicht verwischen lassen. Der Zionismus und der Orient. Wir sind die natürlichen Bundesgenossen sämtlicher wiederauferstandener und nach nationaler Freiheit strebender Völker, insbesondere der orientalischen Völker. Nicht 1 o s vom Orient; sondern rn i t dem ganzen Orient werden wir unser Ideal verwirklichen. Wir sind entschlossen, mit der arabischen Nation friedlich zusammen zu arbeiten. Nicht allein die dauernde Gemeinschaft hoher Iriteressen und menschlicher Ziele, nicht allein die gereifte Einsicht der Geister machen diese Freundschaft volkstümlich in unseren Kreisen. Was uns betrifft, so findet dieselbe auch eine mächtige Fürsprache in dem Gemüt und den Gefühlen unseres Volkes. Uns verbinden mit dem Arabertum alte Erinnerungen, große geschichtliche Erlebnisse; uns verknüpft mit diesem Teil der semitischen Rasse das Andenken großer Epochen einer blühenden gemeinsamen zivilisatorischen Tätigkeit. Wir bewundern das kräftige Vorwärtsstreben dieses lange unterdrückten Volkes und sind sicher, daß wir uns einer Entwicklung nähern, bei der es möglich sein wird, jede Gegensätzlichkeit zwischen uns und den Arabern zu mildern und auszugleichen. (Lebhafter Beifall.) Für uns gibt es nur eine Art der Möglichkeit für unser Beisammensein: den Wunsch, den Entschluß, das Gelöbnis, einander verstehen zu wollen. Man denke sich die kleinen Kreise der Hochkultivierten auf beiden Seiten rasch von solchen Gedanken ergriffen, man stelle sich vor, ein solches Menschheitsideal breche dann wie ein unwiderstehlicher Frühling über die Herzen der Menschen herein, ergreife sie alle, dann könnten wir mit ungeheuren Energien, die nicht mehr zersplittert auseinanderfahren, sondern in wunderbarer Einheit zusammenwirken, ein neues Leben höchster Vollendung für die Völker des Orients schaffen. (Lebhafter Beifall.) 26