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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 22

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 22 (sequence 32)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476278--4322-3480466
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Wo ist seine beschwörende Stimme? Wo seine hilfsbereite Erlöserschaft? Zur Antwort gibt man uns: Wir können nicht offiziell feststellen, was in der Ukraine vorgeht, das Land ist verschlossen und keine Regierung besteht, mit der man verhandeln könnte. So findet der Moment die Kulturnationen, nüchtern und fast gleichgültig, bleiben ihre Seelen unberührt von den zum Himmel schreienden Vorgängen, gegen die sich die ganze zivilisierte Welt hätte zornbebend aufbäumen sollen. Eine Gruppe von Intellektuellen protestierte, aber in dem zahllosen Heere der Diplomaten und Parlamentarier war kein Gerechter, den die höhere Pflicht der Zeit zu Taten drängte! Wenn auch die Berufspolitiker behaupten, daß die Fremden sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines Landes, das nicht das ihre ist, zu mischen haben, so glauben wir doch, daß es Tatsachen gibt, die zu dem gehören, was Tacitus unter dem Gewissen des Menschengeschlechts verstand. Es gibt ein Tribunal der öffentlichen Meinung; ist es auch ohnmächtig, sein Urteil ausführen zu lassen, so ist es doch gut, daß es ein Urteil fälle. Das Urteil der Geschichte. Unser Urteil haben wir uns schon längst gebildet. Das Grundübel besteht nicht in den Zufälligkeiten, sondern in dem harten Gesetz, in dem starren „Muß", das diese Erscheinungen zur Folge hat. Man mag den ukrainischen Horden Moral predigen; man mag — und soll! — gegen sie protestieren; sehr weit kommt man damit nicht. Eine Pause wird in unserer Märtyrergeschichte eintreten, denn erstens kann die Energie des Mordens und Zerstörens nicht nachhaltig und andauernd wüten und zweitens ist dazu eine unmittelbare Ursache, gewisse Antriebe, Augenblicksstimmungen und Affekte notwendig, die nicht immer zu finden sind. Dann werden sich unsere Leute wieder in Selbstgefälligkeit und Sorglosigkeit einlullen und bricht das Geschick wieder herein, so ist es wiederum ein „Zufall". Das ist das System unserer Virtuosen der Selbsttäuschung, die nicht müde werden, uns Trugbilder der Zivilisation und des Fortschritts vorzugaukeln! Im 17ten Jahrhundert war die Ukraine ein Schauplatz fürchterlicher Judengemetzel. Wenn man unsere Leidenschronik jener Zeit liest, glaubt man Berichte über die letzten Gräuel zu lesen. Was haben die 300 Jahre daran geändert? Sie haben den Haß vertieft und die Gräuel vermehrt, wobei sie die charakteristischen Merkmale vollständig gewahrt haben. Die Weltgeschichte kennt die Bartholomäusnacht, die sizilianische Vesper und ähnliche Ausbrüche eines entfesselten Fanatismus. Die Möglichkeit einer zweiten Bartholomäusnacht, das heißt einer vermehrten Auflage derselben samt allen Begleiterscheinungen, ist jedoch ausgeschlossen. Hier wirkt die ethische Lebensauffassung, die soziale Rechtsordnung, hier ist der Unterschied zwischen Mittelalter und 22

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