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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 19

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 19 (sequence 29)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476278--4319-3480463
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formative, sondern das Belehrende, d. h. der Schluß, den wir aus den Geschehnissen ziehen. Dieser Schluß steht in tiefstem Zusammenhange mit dem, was im Zionismus das Wesentlichste ist, namentlich mit seiner prinzipiellen Auffassung und Beurteilung des jüdischen Problems. Die jüdischen Leiden. Was haben wir im Laufe des Krieges und nach dem Kriege in den Ländern gesehen, in denen das Gros des jüdischen Volkes lebt und die daher als hauptsächliches Beobachtungsfeld für das Judenproblem in Betracht kommen? Gleich nach Kriegsausbruch vereinigten sich alle Mächte der Finsternis, um gegen die Juden zu hetzen. Ein „Krieg im Kriege", eine Zwischenszene des großen Dramas wurde nach allen Regeln einer agitatorischen Strategie in den Brutstätten der Hetzereien vorbereitet. Während die Jugend und Kraft des jüdischen Volkes in verzweifeltem Todesringen auf dem Schlachtfelde zugrunde ging und ihre Familien in der Heimat alle Marter der Verarmung, der Krankheiten, der Belagerung und der steten Todesangst zu erdulden hatten, wurden die gröbsten Insulten, die wildesten und absurdesten Verdächtigungen in schamloser Niedertracht gegen diese Bevölkerung geschleudert. In banger Bestürzung, in Schmerz erstarrt, wehrlos, von Feinden umgeben, mußten die jüdischen Massen die tollsten Verleumdungen über sich ergehen lassen. Das Traumgesicht vom jüdischen Verrat war die Ouvertüre, auf die endlose Reihen von blödsinnigen Ammenmärchen und Halluzinationen folgten. Das Gift wuchs und drang in die breitesten Schichten der nichtjüdischen Bevölkerung. Bald begann diese Teufelsarbeit Früchte zu zeitigen; es dauerte nicht lange, bis sie das ganze Verwaltungssystem zu beeinflussen begann. Ein förmliches Strafgericht wurde gegen die unschuldige jüdische Bevölkerung gehalten; die härtesten Ausnahmeregeln wurden ergriffen; es fehlte jedes menschliche Empfinden. Ein originelles, in der allgemeinen Kriegsstrategie unbekanntes Verfahren wurde in das Verteidigungssystem aufgenommen: Juden-Eva kuation. Hunderttausende Juden, samt Greisen, Frauen und Kindern, ganze Gemeinden, selbst Kranke, die in der Agonie lagen und hochbetagte Greise, die in den Altersversorgungsanstalten die letzten Tage ihres Lebens zubrachten, wurden über Nacht, ohne Brot und ohne Kleidung, unter Beschimpfungen und Mißhandlungen aller Art ausgetrieben. Ganze litauisch-jüdische Gemeinden wurden in wilder Unordnung, erbarmungslos, oftmals unter Peitschenhieben zu Fuß getrieben oder in Wagen gepackt, die selbst für das Vieh zu schlecht waren und im weiten Rußland heimatlos umhergehetzt. Es stand uns klar vor Augen: das konnte nur mit einem Volke geschehen, das keinen eigenen Boden hat und das aus dem Buche der lebendigen Völker gestrichen ist Völker mögen für ihr Land 2* 19

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