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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 18

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 18 (sequence 28)
Language
German, English, Hebrew
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Sieg errungen worden ist. Und nun stehen wir vor den Trümmern einer verdorbenen, zerstörten und vor dem Gerüste einer neuen, besser sein wollenden Welt. Throne sind gestürzt und in Splitter geschlagen, weltbezwingende Reiche, an denen Jahrhunderte gebaut haben, zerfielen wie Kartenhäuser, längst untergegangene Staaten erstanden wie Phönixe aus ihrer Asche und neue Staatsgebilde wurden ins Leben gerufen. Die politische Landkarte, die der gegenwärtige Kongreß vorfindet, sieht ganz anders als die frühere aus. Der Weltkrieg und das jüdische Volk. Das jüdische Volk war nicht passiver Zuschauer dieses welterschütternden Dramas. In großen Strömen floß sein Blut auf allen Schlachtfeldern; die Altäre der Vaterlandsliebe beugten sich unter der Last jüdischer Opfer. Nicht nur in Westeuropa und Amerika, wo Juden Menschenrechte genießen, sondern auch dort, wo sie entrechtet und verfolgt sind, erfüllten sie gewissenhaft ihre bürgerliche Pflicht. Die wildesten Kämpfe rasten in und um die Massenzentren der jüdischen Bevölkerung. Wie ein Wolf in die Lämmerherde bricht, so ist das Verderben hereingebrochen; unzählige jüdische Gemeinden, Städte und Dörfer wurden weggefegt oder in Schutthaufen verwandelt. Zum ersten Male in seiner jahrhundertlangen Geschichte ist das alte stille Judenghetto mit der modernen Kriegskunst in unmittelbare Berührung gekommen. Mit Blut und Feuer ist ein großer Teil der Geschichte der osteuropäischen Feldzüge auf jüdischer Haut geschrieben. Dieses Kapitel gehört jedoch in die allgemeine Kriegschronik. Wenn irgendwo, so genossen die Juden auf diesem Gebiete eine ideale Gleichberechtigung. Sie durften genau so wie die anderen getötet, verwundet, zu Krüppeln oder zu Bettlern gemacht werden. Daß sie die Leiden und Qualen des Weltkrieges mit allen anderen Menschen geteilt haben — das würde uns hier nicht beschäftigen. Wir würden auch nicht viel Aufhebens davon machen, daß die Juden infolge der geographischen Lage und sonstiger Umstände vielleicht mehr als die anderen zu leiden hatten und gründlicher ruiniert wurden. Das war jedoch nicht beabsichtigt und dafür ist niemand verantwortlich zu machen. Uns interessieren einzig und allein die Leiden, die die Juden als solche auszustehen hatten. Unser Zweck ist es nicht, Jeremiaden über diese Leiden anzustimmen. Erstens müßte dafür ein neuer Jeremiah erstehen und zweitens sind wir des ewigen Klagens satt. Wir wollen auch keinen eigentlichen Bericht erstatten. Diese Aufgabe überlassen wir dem zukünftigen Historiker, der mit größerer Ruhe ein besser geordnetes Material vorfinden und bearbeiten wird. Was uns als Juden jetzt interessiert und was von der Tribüne des Zionistenkongresses — da es doch keinen anderen jüdischen Kongreß gibt! — der Oeffentlichkeit gesagt werden muß, ist weder das Gefühlsmäßige noch das In- 18

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