Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 27)
- Language
- German, English, Hebrew
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kultureller und erzieherischer Arbeit ein weites Feld, auf dem gemeinsames Wirken möglich sein wird, ungeachtet unvermeidlicher Differenzen in der Auffassung. Ich hoffe und glaube, daß sich die Berührungspunkte als dauernder erweisen werden als die Differenzen. Die Juden Großbritanniens haben durch die Schaffung des „Economic Board" ein Beispiel gegeben, von dem wir praktische Leistungen von höchstem Wert erwarten. Wir hoffen, daß auch die jüdischen Gemeinschaften in anderen Ländern ihre Kräfte mit denen der Gesamtheit in der einen oder in der anderen Form vereinigen werden. Wir unsererseits sehen im Keren Hajessod das Instrument des nationalen Willens zum Wiederaufbau Palästinas. Aber wir verstehen, daß nicht alle Juden ebenso wie wir anerkennen, wie nötig ein einheitlicher Ausdruck des nationalen Willens ist. Wir sind bereit, zuzugeben, daß mehr als ein Weg nach Palästina führt und es ist nicht unser Wunsch, andere Wege für jene zu sperren, die nicht den unseren gehen wollen. Mögen sie nur in Aufrichtigkeit und Zielstrebigkeit Hand ans Werk legen und wir werden sie bereitwillig als Genossen unserer Arbeit anerkennen. Ich hielt es in diesem Augenblick nicht für notwendig, mehr zu tun, als in Kürze die wichtigsten Punkte der äußeren und inneren Lage des Zionismus zu berühren. Trotz allen Schwierigkeiten steht eines fest: unsere Organisation ist heute viel stärker als je zuvor. Der nationale Wille lebt und wirkt in weiten Schichten unseres Volkes. Hindernisse, die jetzt gewaltig scheinen, werden durch Entschlossenheit, zähe Arbeit und Opfer überwunden werden. Mut, Selbstvertrauen und Einheit sind, was uns not tut. Mit ihrer Hilfe werden wir siegen. (Großer Beifall.) Ernst und feierlich ist die Stunde, in der der Kongreß seine Beratungen beginnt. Es ist mein heißer Wunsch, daß er sich der Verantwortung gewachsen zeige, die auf ihm ruht. (Brausender, sich immer erneuernder Beifall und Händeklatschen im Saale und auf den Galerien. — Die Versammlung erhebt sich.) Präsident der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow (besteigt die Rednertribüne. Stürmischer, sich immer erneuernder Beifall und Händeklatschen. — Die Versammlung erhebt sich. — Redner spricht in hebräischer Sprache.) Verehrter Kongreß! Eine ereignisreiche und schicksalschwere Zeit liegt zwischen unserem früheren und gegenwärtigen Kongreß. Die ruhige Feiertagsstimmung unseres letzten Kongresses war kaum verrauscht, als der Weltsturm ausbrach. Das Idyll des Völkerfriedens verwandelte sich plötzlich in einen verheerenden Völkerkrieg, wie ihn die Geschichte der Menschheit nie zuvor gekannt hat. Die Säulen der Erde erzitterten. Mit unwiderstehlicher elementarer Gewalt wütete der Kampf, bis die Stunde der Entscheidung schlug und der große 2 17