Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 351)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 344 — müssen organisch herauswachsen. Aber solche Bibliotheken müssen wir haben. Denn wir haben sie nötig, um unserem Gelehrtenstande das wissenschaftliche Material zu geben, von welchem derselbe praktische Kulturgedanken auf die ganze jüdische Bevölkerung ausstrahlen wird. Die Arbeiterkurse werden erst ihren Rückhalt in der Universität finden, wenn die Universität eine Bibliothek hat. Gewiß, es ist schwer, eine Bibliothek zu gründen. Geld, viel Geld gehört dazu. Wir haben doch immer gesehen, daß in den Geldfragen selbst mit Idealisten recht schlecht Kirschen zu essen ist. Aber denken Sie doch einmal den großartigen Gedanken zu Ende, den einer nationalen Bibliothek in Jerusalem. Welcher Jude wird sich nicht begeistern, welcher jüdische Schriftsteller und Buchhändler wird dort nicht gerne seine Bücher hingeben — ohne Entgelt. Haben doch die Deutschen in Posen aus den Spenden der deutschen Buchhändler im Handumdrehen eine Bibliothek von 190 000 Bänden gegründet. (Hört, hört!) Wir haben so viele Mitarbeiter, denn welcher Jude redet nicht, und welcher Jude schreibt nicht? Wenn Sie ihr nur erst einmal die Bücher geben würden, welche Sie selbst schreiben, so würden Sie bald sehen, wie die Bibliothek aufwächst. Und einer, der heute sagt, was wird aus mir werden, ich habe keine Kinder, ich habe keinen, der Kadisch nach mir sagt, der wird gerne daran denken, daß sein Name in 10 000 solcher Bücher eingeklebt ist, und wird sich freuen, daß nach ihm Tausende von Studenten diese Bücher benutzen werden, und daß die Dankbarkeit der Professoren und Studenten sein Kadisch sein wird, ein ewiges Andenken in dieser Universitäts-Bibliothek. (Lebhafter Beifall.) Dazu ist eine großartige und moderne Organisation der Arbeit nötig. Denn der Gelehrte, der diese Bibliothek benutzen wird, wird viel lieber eine kleine Bibliothek zur Verfügung haben, die geordnet ist, als einen noch so großen Bücherschatz, mit dem er sich nicht zurecht findet. Wir werden Sympathien finden in allen Städten und Orten sowohl bei den Juden als auch bei Nichtjuden. Deshalb müssen wir daran gehen, nicht wertlose theoretische Kommissionen zu wählen, sondern endlich einmal praktisch die Bibliothek des Josef Chasanowitsch in eine wirkliche Nationalbibliothek zu verwandeln. (Präsident Wolffsohn: Es tut mir leid, aber Ihre Zeit ist um!) Ich komme zum Schlüsse. Es handelt sich um eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Buch, um eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte für die jüdische Kultur. Wenn wir nicht die Bibliothek heute ernsthaft beginnen, werden wir nicht in 20 Jahren mit der Universität etwas anfangen können. Wir müssen, ebensoweit entfernt vom Nihilismus wie vom Klerikalismus, unser historisches Judentum', das uns mit der Vorzeit verbindet, unseren Nachkommen überliefern, und das können wir nur, wenn wir die jüdische Kulturarbeit aufnehmen und sie im wahrsten Sinne des Wortes in einer jüdischen Universität in Jerusalem konzentrieren. Die Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem ist ein gewaltiger Schritt auf unserem Wege. Sie bedeutet für uns eine Erhöhung der jüdischen Kultur, eine Bereicherung des menschlichen Geistes. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Präsident Wolffsohn: Zu diesem' Punkte der Tagesordnung liegt folgender Antrag vor: „Der Kongreß beschließt, das Actions-Comite zu beauftragen, eine Kommission einzusetzen zum Zwecke der vorbereitenden Arbeiten für die Gründung einer hebräisqhen Universität in Jerusalem. Ussischkin, Weizmänn." (Lebhafter Beifall.) Ich gebe gleich die hebräische Uebersetzung (übersetzt den Antrag ins Hebräische).