Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 350)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Beirut 1× ep/1047833
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iümern, die heute noch so vogelfrei sind, wie das jüdische Volk selbst. Man hat uns die Schwierigkeiten entgegengehalten und hat uns gefragt: „In welcher Sprache werden Sie unterrichten?" Hoher Kongreß! Auch andere Völker haben Universitäten gegründet, ehe sie selbst die große Gelehrsamkeit und die hohe Wissenschaft hatten, die wir doch in unserem Volke besitzen. Wie hat man es in Budapest gemacht? Man hat deutsche Gelehrte berufen und ihnen zur Pflicht gemacht: Drei Jahre dürft ihr deutsch unterrichten, im vierten Jahre müßt ihr in magyarischer Sprache lehren. Bei uns wird es nicht so lange dauern. Ich bin überzeugt, im zweiten Semester allerspätestens wird hebräisch unterrichtet werden. (Lebhafter Beifall.) Auch Deutschland hat nicht immer die deutsche Sprache als Wissenschaftssprache gehabt. Der deutsche Gelehrte L e i b n i z, der Nationaldeutscher durch und durch war, hat seine Werke französisch, zum Teil auch lateinisch geschrieben und gesagt, in deutscher Sprache sei es unmöglich, wissenschaftliche Werke zu schreiben. Wir können es beinahe nicht glauben, daß vor nicht ganz 200 Jahren die deutsche Sprache sich auf einem Niveau befand, daß wissenschaftliche Werke nicht deutsch geschrieben werden konnten. Meine Herren! Lernen Sie nur hebräisch, und Sie können jede Wissenschaft in hebräischer Sprache ungezwungen und noch so prachtvoll wiedergegeben. (Stürmischer Beifall.) Im Orient gewinnt man Seelen durch die Schulen. Ich meine nicht die Anstalten der Missionsgesellschaften, ich meine im ganzen Orient die Universitäten und Fakultäten, z. B. die in Beirut, die wir bald hinter uns lassen werden, wenn wir richtig arbeiten. Sie sind alle längst da, um den Orient für sich zu gewinnen. Aber der Träumer Israel kommt zu spät. Die Volksschule ist weggegeben. Wir werden durch sie nicht mehr auf die Araber und auf den vorderen Orient wirken können. Wohl aber vermögen wir die Lehrer auf unseren Universitäten großzuziehen, und dann können wir etwas von unserem europäisch-jüdischen Geist als echt jüdisch-orientalischen Geist in den vorderen Orient hineingießen. (Lebhafter Beifall.) Was wir heute tun können, ist nur eine Vorbereitungsarbeit. Dreierlei Sachen können wir schaffen: 1. Institute für die medizinische und naturwissenschaftliche Fakultät, Institute, wie wir sie zum Teil schon geschaffen haben, 2. ein Museum als Grundlage für das wissenschaftliche Material, 3. für alle Fakultäten, besonders aber für die Fakultät, die wir zuerst machen können, für die historisch-jüdische Fakultät gebrauchen wir das Handwerkszeug eines Gelehrten, das er überall haben muß, die Bibliothek, die bei uns bisher vernachlässigt worden ist, und aus der das ganze moderne geistige Leben hervorkeimt. Und ich staune, wie ein Volk, das sich rühmt, von den Arabern das Volk des Buches genannt worden zu sein, so handeln konnte. Wir werden darangehen, eine Universitas literarum zu gründen, aber wir müssen eines wissen: Diese Universitäten sind Forschungsstätten; und nicht der Professor, der doziert, sondern der Professor, der arbeitet und wissenschaftliche Werke schafft, ist derjenige, der die Universität trägt. Der kann aber nichts arbeiten, wenn er keine Bibliothek hat. Sie kennen alle die hingebungsvolle Arbeit, die unser Josef Chasano witsch für diese Bibliothek geleistet hat (Lebhafter Beifall.) Meine Herren! Das Klatschen für Josef Chasanowitsch genügt nichi Dem Manne muß eine andere Anerkennung zuteil werden. Dem Manne müssen wir endlich die Bibliothek in einen solchen Zustand versetzen, daß sie eine Ehrenstätte wird und so wird, wie er sie sich gedacht hat. Die Verwaltungsarbeit muß endlich beginnen. Wir brauchen wissenschaftliche moderne Bibliotheken. Ich gebe zu, die Bibliotheken wachsen nicht aus dem Boden hervor, man kann sie nicht herausstampfen. Sie