Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 336)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 329 — fälscht wird. Ich sage aber noch etwas mehr: Auch die jüdischen Gelehrten fälschen die Wissenschaft! Es gilt hier ein Wort von Rousseau zu zitieren, der gesagt hat: Alle Forschungen über Juden und Judentum sind trügerisch. Die Christen sind ja durch ihre Dogmen gebunden; die Juden aber sind in eine Lage versetzt, daß sie ihr freies Wort verhehlen müssen. Gebet nur den Juden, sagte Rousseau, einen eigenen freien Staat und eine eigene freie Akademie und wir werden dann hören, was sie uns sagen werden. Das ist es, was uns nottut: eine freie Stätte für jüdischen Geist, und dann wird auch die richtige freie jüdische Wissenschaft entstehen. Im weiteren führt Redner aus, daß eine Universität, wie ein Staat nicht in einem Nu geschaffen wird, sondern sie werden. Wir sollen mit Bezug auf die Universität nicht wiederum den Fehler machen, den wir schon bei der Idee des Judenstaats gemacht haben. Jetzt gilt es bloß den Kern zu pflanzen, von dem die Universität dann herauswachsen wird. Redner tritt für eine philosophische Fakultät als Anfang ein. Zum Schlüsse wendet er sich noch gegen die Einwendung, als haben unsere Weisen immer die positiven Wissenschaften der Philosophie vorgezogen, und weist darauf hin, daß Halevi und Maimonides die Medizin dazu benützt haben, um in Ruhe den „Chuzari" und „More" schaffen zu können. Es sei dieses ausdrücklich betont, und man möge nicht mit tendenziösen Beleuchtungen geschichtlicher Tendenzen herumlaufen. Redner wendet sich dann an den Kongreß mit einem warmen Apell, man möge die Universitätssache sehr beherzigen. Es wird einst eine Generation kommen, die mit Weihe und Dankbarkeit unserer heutigen Initiative gedenken wird. (Lebhafter Beifall.) Präsident Wolffsohn: Geehrter Kongreß! Wir haben heute Nachmittag . . . (Zwischenrufe.) Ich bitte um Ruhe! Heute nachmittag Punkt 3 Uhr . . . (Zwischenrufe. — Ruf: Ich bitte, Herr Präsident, es befinden sich -eine Menge Leute hier, die nicht Delegierte sind!) Dafür müssen die Ordner sorgen. Fleute nachmittag punkt 3 Uhr muß die Generalversammlung der Bank stattfinden. Die können wir unmöglich aufschieben, weil dadurch die ganze Generalversammlung illusorisch gemacht würde; sie muß auf die Minute genau stattfinden. Vor der Generalversammlung soll Herr Dr. Katzenelsohn hier im Kongreß sein Referat über die Bank halten — nach der Generalversammlung hätte es keinen Zweck mehr — doch mit der Generaldebatte über die Universitätsfrage und über die Kulturfragen können wir unmöglich bis Mittag fertig werden. Es haben noch vier Generalredner zu sprechen, und dann kommen noch die Referenten zu Worte, das gibt zusammen sieben Redner, woraus hervorgeht, daß wir unmöglich bis 3 Uhr fertig werden können. Deshalb schlage ich Ihnen vor, daß wir jetzt, damit wir diese wichtige Debatte über die Universitätsfrage und über die Kulturfragen ordentlich und ruhig abhalten können, diese Debatte unterbrechen, Dr. Katzenelsohn jetzt das Wort für sein Referat geben, um 3 Uhr die Generalversammlung der Frank abhalten, die hoffentlich kurz sein wird, und dann unmittelbar nach der Generalversammlung die jetzt zu unterbrechenden Debatten fortsetzen, so daß wir heute Abend diese Debatten erledigt hätten und in einer Nachtsitzung die Wahlen, das Budget und den Schluß des Kongresses durchführen können. Ich mache Sie noch darauf aufmerksam, daß wir, wie mir vom Bureau mitgeteilt worden ist, den Saal und sämtliche Räume des Gebäudes nur bis heute abend benützen können. Sämtliche Räume werden uns heute nacht abgeschlossen, so daß wir morgen uns überhaupt nicht mehr hier einfinden können, weder im Saale noch in den anderen Räumen. Wir müssen also unbedingt heute nacht mit dem Kongresse zu Ende sein. Deshalb glaube ich, daß wir keine Minute