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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 328

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 328 (sequence 335)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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sein. Jüdische Wissenschaft kann unmöglich von der jüdischen Tradition getrennt werden. Wenn aber eine Universität errichtet werden soll, so verlangt Redner durchaus, daß keine philosophische Fakultät errichtet werden soll, sondern lediglich eine medizinische, das heißt eine rein praktische. Auch unsere alten Weisen haben die praktischen Fächer den abstrakten vorgezogen. Präsident Wolffsohn: Herr Dr. Klausner hat das Wort. Del. Dr. J. Klausner, Odessa (spricht hebräisch): Das Hauptargument, das von den Gegnern in die" Wagschale gegen die Universität geworfen wird, ist dies, daß die Arbeit für die Universität unsere Organisation durch eine Reihe von Jahren so sehr in Anspruch nehmen wird, daß dies sicherlich von der Förderung des Bodenerwerbs arg abhalten wird. Ich teile diese Ansicht nicht. Wenn aber darin auch irgend ein Teil Wahrheit stecken sollte, so müßten wir auch darauf bestehen, weil wir es hier mit einem Prinzip zu tun haben, das bei uns einmal Aufklärung finden soll. Seit jeher stoßen wir uns an einem Wort, das bei uns beinahe zum Schimpfwort geworden ist: Geistiges. Aber wissen Sie, meine Herren, daß gerade die materiell gesunden Völker auf das Geistige mehr Gewicht legen als wir? Dann sollen Sie erfahren, daß heutzutage sämtliche Völker gerade auf das Geistige viel ausgeben, Italien z. ß. gibt enormes Geld aus. um für Abessinien Schulbücher zu schaffen. Warum? Weil man in Italien nicht erst zu beweisen braucht, daß die Schule nicht bloß ein nationalkulturelles, sondern auch ein politisches Instrument ist, manchmal von wichtigerer Tatkraft als je eine Bank. Auch eine Universität in Jerusalem wird in erster Reihe ein politischer und zuletzt erst ein geistiger Faktor werden. Und da soll ich Ihnen vielleicht in Erinnerung bringen, daß überall in der Welt die Studenten es gewesen sind, die nationale und politische Bewegungen geschaffen und ins Leben getragen haben; daß nur in Studentenkreisen solche Bewegungen anwachsen können; und wenn wir in Palästina noch einer gewissen Unreife des politischen Gedankens begegnen, so ist es auf das Fehlen einer akademischen Atmosphäre zurückzuführen. Genau so ist es auch in bezug auf das Oekonomische. Wir haben es bei dem Jaffaer Gymnasium gesehen. Diese „geistige" Anstalt ist zu einem mächtigen Kolonisationsfaktor geworden, indem sie die Zugkraft für viele Familien der Diaspora geworden ist. So wird es auch mit der Universität geschehen: sie wird als Zugkraft für jung und alt dienen und sie wird auch zur Popularisation Palästinas unter der „Golah" dienen. Was aber die Leistungsfähigkeit der Spender betrifft, so wird sie dadurch gewiß nichts einbüßen; im Gegenteil werden uns viele Personen näher gebracht werden, die bis nun uns fern geblieben sind, weil eben sie im Zionismus für sich nichts Begeisterndes gefunden haben. Lassen wir sie sich für die Idee der Universität begeistern, und sie werden dann mit uns auch für sonstige Aufgaben des Zionismus verbleiben. Es soll aber noch ein Umstand nicht unerwähnt bleiben. In Aegypten besteht eine arabische Hochschule, Al-azar, die bis achtzehntausend Studenten in sich birgt, und diese Hochschule ist ein Zentrum' für die arabische Bewegung geworden. Es ist für uns einfach ein Gebot des Selbsterhaltungstriebes, daß wir im Lande auch unsererseits ein solches Zentrum bilden. Ich will aber noch ein Argument hervorheben, das zwar schon purer „Geist" sein wird, das aber dennoch gesagt werden soll. Wir klagen alle darüber, daß wir eigentlich keine jüdische Wissenschaft haben, daß sie seitens der christlichen Gelehrten einfach ge-

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