Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 334)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 327 — macht. (Lebhafte Zustimmung.) Der Jude, der seinen eigenen Stamm verunglimpft, um das Christentum zu glorifizieren, möge, wenn er einen Backenstreich empfangen hat, auch die andere Wange zum Schlage hinhalten; dann wird ihm vielleicht die Schamröte ins Gesicht steigen. (Lebhafter Beifall.) Wir alle aber, die wir uns stolz als Abkömmlinge der alten aristokratischen Rasse fühlen (lebhafter Beifall), die wir die uralten Traditionen und das jüdische Gesetz verehren und hochhalten, wir können unsere Feinde nicht lieben, wir bleiben bei dem alten echt jüdischen Satz: „Weohawto lereacho komaucho!" Wir sind sicher, daß dem Zionisten, der in trauriger Verirrung so schreiben konnte, das verdiente Urteil zuteil werden wird. Der Kulturgehalt dieser Anschauungen wird gezählt und gewogen werden. Man wird auf dieser schiefen Ebene ein lautes Halt gebieten müssen mit der düsteren Mahnung „Mene, mene Tekel ufarsin". {Lebhafter Beifall.) Ich fordere von unserer Leitung, daß sie nicht fürderhin durch Empfehlung dieses Buches unseren Gegnern Waffen liefert. (Sehr richtig!) Nun muß ich noch einen wunden Punkt berühren. Der Nationalismus ist bei uns der Wille, wieder ein Volk zu werden. Ich erinnere hier an eine Stelle bei Moses Heß, der vom Standpunkte des radikalen Freidenkers aus es doch befürwortet, daß die Nationaljuden das jüdische Religionsgesetz auf das peinlichste befolgen. Statt dessen setzt sich gar mancher unter unseren Nationaljuden über das Gesetz hinweg unter der Behauptung, daß es nur einen reinen Nationalismus gebe. Was soll man aber dazu sagen, wenn solche Nationaljuden Mischehen eingehen? Ich gebe mich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß der Kongreß ohne Diskussion beschließen wird, schon aus Gründen der Reinerhaltung unserer Rasse sei das Eingehen von Ehen mit Angehörigen anderer Volksstämme aufs schärfste zu verurteilen. (Stürmischer Beifall und lebhafte Zwischenrufe.) Lassen Sie mich diese Wahrheiten ruhig einmal aussprechen. (Rufe: Das geht viel zu weit! — Del. Dr. Nacht: Das ist nicht Ihre Sache, sondern die des Kongresses!) Vizepräsident Dr. Gaster: Herr Dr. Nacht, das habe ich zu sagen und nicht Sie! Del. Struck: Dem Zionisten, der in dieser Weise unser jüdisches Blut verwässert, dem hilft es auch nicht, wenn er den ganzen Taghebräisch spricht. Wir Misrachisten, die wir die kulturelle Fraktion des Zionismus darstellen, reden nicht so viel vom Hebraismus. Ich weise aber auf die Tatsache hin, daß unsere zweitägige Misrachikonferenz fast ausschließlich in hebräischer Sprache geführt wurde. (Beifall.) Wir erstreben nicht eine hebräisch sprechende Halbkultur, sondern eine auch hebräisch fühlende Vollkultur. (Lebhafter Beifall.) Uns ist die hebräische Sprache eine heilige Sprache, nicht nur, weil in ihr die heiligen Bücher Israels geschrieben sind, sondern weil sie die Nationalsprache unseres Volkes ist. (Lebhafter Beifall.) Ich sage daher zum Schlüsse meiner Worte allen denen unter Euch, meine Brüder, die den Sklavengeist aus sich getilgt haben und wahrhaft stolz den Adel des Judentums fühlen: Nicht nur hebräisch sprechen, sondern auch hebräisch handeln! (Lebhafter Bei fall.) Hebraisieret eure Zunge, aber zuvor hebraisieret eure Herzen! (Stürmischer Beifall und Hedadrufe.) Vizepräsident Dr. Gaster: Das Wort hat Herr Berlin. Del. M. Berlin (hebräisch) spricht seine Ansicht gegen das Universitätsprojekt aus. Man soll überhaupt nicht an solch luxuriöse Sachen denken, wenn man des trockenen Brotes entbehrt. Eine Stätte für jüdische Wissenschaft könnte uns schon wohl zugute kommen, aber diese kann nicht eine Universität nach dem: Gesichtspunkte der modernen Jugend