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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 326

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 326 (sequence 333)
Language
German, English, Hebrew
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— 326 — kürzlich erschienen ist. Es trägt auf seinem Titel den stolzen Namen „Bar Kochba", aber bei manchem Gedanken, der in diesem Buche auftaucht, ist man versucht, zu sprechen: „Bar Kosiba". Ich will nicht davon reden, daß in diesem Buche hie und da ein merkwürdiges Interesse für Jesus von Nazareth hervortritt (Unruhe und Hört-, Hörtrufe), daß sogar vier eigentümliche Jeschuahlegenden darin erzählt werden, daß Josef Caro und der Gaon von Wilna herabgesetzt werden zugunsten von Isaak Luria und Israel Baalschem, denn solche Behauptungen sind ja schließlich letzten Endes Geschmackssache und Angelegenheit eines mehr oder minder verschwommenen Denkens. Folgende Stelle finde ich aber doch bedenklich. Der Verfasser des betreffenden Aufsatzes spricht von der Rückkehr zum Judentum und sagt (liest): jjUnd so sehen wir, daß manche Zionisten diese Rückkehr dahin auffassen, daß sie eine solche zum heutigen Judentum bedeutet. Was kann dieses aber dem modernen Juden geben? Er hat sich weit von ihm entfernt. Wie weit, das zeigt beispielsweise sein Verhalten zum Christentum. Die traditionelle jüdische Scheu vor dessen Stifter und seinen Lehren kann er nicht mitmachen. Er sieht vielmehr klar den Fortschritt, den es bedeutete, als das Christentum den Quell der religiösen Sittlichkeit in das Innere der Menschenbrust verlegte." Diese Behauptung hat nicht ein Missionär aufgestellt, sondern ein zionistischer Führer. (Rufe: Wer? Namen nennen:) Ich werde den Namen nicht nennen. Sie können den Namen sehr leicht erfahren, wenn Sie in das Buch Einblick nehmen. (Erneute Rufe: Namen nennen!) Lassen Sie mich erst ausreden. (Große Unruhe und Zwisdhenrufe.) Vizepräsident Dr. Gaster: Darf ich Sie bitten, den Namen zu nennen. Es ist doch ein öffentliches Geheimnis aus einem gedruckten Buche. Del. Struck: Es ist doch vielen der Name bekannt. Es ist das Mitglied des Großen Actions-Comites, Herr Adolf Böhm. (Große Unruhe und Zwischenrufe. — Beifall.) Vizepräsident Dr. Gaster: Ich muß Herrn Struck einen Moment unterbrechen und daran erinnern, daß wir hier einen Generalredner zur Universitätsfrage in Jerusalem vor uns haben und nicht zur Frage irgendwelcher persönlichen, irreführenden Anschauungen eines Mitgliedes des Actions-Comites, von welchen wir uns absolut lossagen, und für die der Kongreß eine Verantwortlichkeit ablehnt. (Lebhafter Beifall. — Unruhe und Zwischenrufe.) Del. Struck (fortfahrend): Ich spreche hier nicht gegen eine Person und habe gegen den betreffenden Herrn persönlich nidits einzuwenden. Ich greife nur einen Fall heraus, der Symptomatisch ist für eine gewisse Geistesrichtung. An einer anderen Stelle heißt es, „um dahin zu gelangen, mußten sie (die Juden) erst innerlich vollkommen neue Menschen werden, denn als Juden hatten sie infolge der Krisis, in der sie standen, keine Selbstachtung mehr. Das Gefühl für persönliche Würde, das überhaupt nie im Judentum vorhanden war (Pfuirufe), sondern als Erbteil hellenischer Kultur in der Moderne zu finden ist, mußte erst in ihnen Wurzel geschlagen haben." Diese Worte schreibt nicht ein Antisemit, sondern ein zionistischer Führer. (Rufe: Wer?) Derselbe Verfasser. (Del. Dr. N a c h t: Es ist gut, daß man es weiß!) Nicht Wahrheitsdrang, sondern ein trauriger Golusgeist spricht aus diesen Worten. (Lebhafte Zustimmung.) Vor unserm Auge steigt das Bild dessen auf, den wir überwunden haben, das Bild des geknechteten Hausierers, der durch die Gasse schleicht und rechts und links vor jedem Fremden Verbeugungen

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