Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 332)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4244-3480387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 325 — herunter, sondern von dem Gebäude der jüdischen Hochschule Gebhafter Beifall), und daß ich nicht liier im Saale des Musikvereins spreche, sondern in der Aula der jüdischen Universität. Wäre es nicht schön, wie die Juden sagen, „vor Gott und vor den Leuten?" Und wenn Sie Arbeitslust und opferfreudigen Willen mitbringen, so wird das zur Freiheit strebende jüdische Volk in einigen Jahren in Jerusalem eine eigene freie Hochschule haben. (Lebhafter Beifall.) Und wenn Sie die Weltkulturrolle des Judentums fortgepflanzt sehen wollen, wenn Sie für das Aufblühen des freien jüdischen Volkes zu Nutzen seiner Kinder und der ganzen Menschheit der Erde sind, so werden Sie für uns stimmen und meinen Antrag annehmen. Verehrter Kongreß! Ich schließe. Ich glaube, ich habe das Examen — in a guter Schooh — überstanden. Ich mache die Broche: „schehechjanu w'kijmanu w'higianu lasman hase!", daß der verehrte Kongreß die Hochschulfrage aufgeworfen hat, sie bespricht und für sie stimmt. Und Sie bitte ich, zu sagen: Amen! (Stürmischer Beifall.) Vizepräsident Adolf Stand: Das Wort hat Herr Rabbiner Reines. Rabbiner Reines (mit stürmischem Beifall begrüßt) spricht hebräisch: Ich will hier bloß eine Frage berühren, und zwar die Frage der gemischten Erziehung von Knaben und Mädchen, die bei uns im Jaffaer Gymnasium zu einer Zeit eingeführt wurde, da sie noch in keiner von den „allerfortschrittlichsten" Erziehungsanstalten Europas Platz gegriffen hat. Wir sollen also doch mindestens nicht den anderen mit solchen „Reformen" vorangehen. Ich erkläre entschieden, daß mir alles, was in Palästina geschaffen wird und was insbesondere Bezug hat auf das Wiederaufleben unserer heiligen Sprache, teuer ist, und ich würde gewiß ein Freund des Jaffaer Gymnasiums sein, wenn uns nicht dieser peinliche Umstand beunruhigen würde. Die Herren vom Gymnasium berufen sich manchmal auf die materielle Notwendigkeit. Aber es liegt auf der Hand, daß man in Jaffa bereits das fünfte Parallelgymnasium hätte aufstellen können, wenn nicht dieser Umstand wäre, der auf das Gros der traditionstreuen Juden geradezu abstoßend wirkt. Redner verlangt, daß auch bei der Gründung der Universität Rücksicht auf das orthodoxe Judentum! genommen werde. Vizepräsident Adolf Stand: Das Wort hat Herr Struck. Del. Struck (mit Beifall begrüßt): Liebe Gesinnungsgenossen! Die wenigen Worte, die ich jetzt an Sie richte, spreche ich nicht im Namen der Föderation Misrachi, die idi vertrete, sondern ich möchte sagen,, als ein Achad Haam, als ein Mann aus dem Volke der zionistischen Juden. Meine Worte sind keine w^ohl abgerundete Rede, sondern nur lockere Glossen zur Frage der jüdischen Kultur. Was ein Misrachist unter jüdischer Kultur versteht, brauche ich heute nicht mehr auseinanderzusetzen. In eine knappe Formel gebracht: Misrachi ist Zionismus plus Religion. Hierin liegt unsere glänze Weltanschauung, und diese Weltanschauung ist eine feste Brücke vom Osten zum Westen. Sie verbindet mich mit dem ehrwürdigen Rabbi Reines, dessen prophetischer Erscheinung Sie soeben zugejubelt haben. Der Misrachi ist keine Aufsichtsbehörde, sondern ein im Golus und in Palästina arbeitender zionistischer Faktor von größter Bedeutung. (Beifall.) Aber wir dürfen und wollen unsere Augen nicht verschließen, wenn wir sehen, wie die jüdische Kultur verfälscht und verwässert wird, und wir legen unsere Finger in die Wunde, um zu bessern und zu heilen, solange es noch Zeit ist. Aus der Fülle neuerer zionistischer Literatur greife ich ein Sammelbuch heraus, das unter dem Titel „Vom Judentum''