Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 329)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 322 — schehen. Und wenn es zugestanden werden muß, daß es gut wäre, der Schlußfolgerungen wegen die Zahl der Sektionen zu vermehren, so steht doch der Osten nicht an einer und derselben Stelle. Die Rolle der jüdischen Hochschule wird gerade auch dahin wirken, daß die Vorurteile schwinden werden. Es ist doch dort schon jetzt eine zahlreiche christliche Bevölkerung da, welche sich gegen Sektionen weniger wehrt, als die Anhänger anderen Glaubens. Ich sage, das ist nicht so arg und das läßt sich korrigieren. Man sagt, die Wege sind schlecht, man wird keine interessanten Kranken bringen können. Machen Sie nur eine interessante Klinik, dann wird man schon Kranke auf den Kamelen und auf den Schultern bringen, um sie nicht nach Aegypten oder nach Europa führen zu müssen. (Sehr richtig!) Was wird denn mit der Unterrichtssprache sein? Das ist eine wichtige Frage, das ist aber bisweilen eine Detailfrage. Das wird man auch später entscheiden können. Natürlich möchte ich die hebräisch e Sprache als Unterrichtssprache in der Hochschule haben. (Beifall.) Und es wird gerade leicht sein, eine jüdisch medizinische Nomenclatur zu schaffen, da sie bekanntlich international lateinisch ist. Bronchitis, ist es deutsch, es ist französisch bronchite, englisch Bronchitis. Warum soll es auch hebräisch nicht heißen Bronchitho? (Sehr gut!) Ich hoffe auch, daß es so sein wird, nur muß ich zugestehen, daß es in der ersten Zeit vielleicht nicht ganz möglich sein wird. Wissen Sie, daß die erste Unterrichtssprache der Universität in Moskau die deutsche war? Sie wissen vielleicht auch, daß man erst vor einigen Jahren aufgehört hat, den Unterricht an der Dorpater Universität in der deutschen Sprache zu führen. Es sind also wichtige Präzedenzen vorhanden. Was wird die türkische Regierung sagen? Wird sie die Bewilligung und die Konzessionen geben? Wir wissen schon, daß unsere Schulen auch manchen westeuropäischen Staaten gefallen. Das ist aber nicht annehmbar. Die Türkei wird uns gewiß unterstützen, das hat mir mündlich und schriftlich der Saloniker Chachan Baschi Rabbi Jakob M e i r mitgeteilt. In demselben Sinne hat sich auch mir gegenüber ein jüdischer Senator in Konstantinopel geäußert. Es liegen noch andere günstige Angaben diesbezüglich vor. Es ist noch eine Anzahl anderer Einwände gemacht worden, sie sind aber so unbedeutend, daß ich mich bei ihnen nicht aufhalten kann. Ich sage, die Hauptfrage ist hier, wie im ganzen Zionismus vielleicht die Geldfrage. Mich kümmern weniger die Erhaltungskosten. Von Einkünften und Erträgen sehe ich bisweilen ab, obwohl Sie wissen, daß das Jaffaer Gymnasium z. B. doch gewisse Erträge hat. Einzelne Personen, jüdische Wohltätigkeitsinstitutionen, jüdische Gemeinden, Bnei-Brith-Logen können sich sehr leicht zu je einem1 resp. z:wei oder mehr Stipendien im Betrage von zirka 800 M. jährlich für die Erhaltung eines Studenten verpflichten. So wie man in einer Synagoge Plätze, die sogenannte „Städte", kauft, dürften sich die vermögenden Juden Plätze an der Universität durch Stipendienkauf sichern. Wrenn jeder der hier anwesenden Delegierten die Sammlung eines Stipendiums wenigstens übernehmen wollte, dann wäre die eine Hälfte der Frage gelöst. (Sehr gut!) Nun für die Erbauung dieses Werkes der größten Wichtigkeit muß das jüdische Volk aus seiner Mitte opferfreudige Mäcenate hervorbringen. (Lebhafte Zustimmung.) Sie wissen, daß gewisse Anfänge schon gemacht worden sind, um einige Summen dieser Sache zuzuwenden. . Ich habe noch eine kleine Mitteilung zu machen. Gestern habe