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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 319

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 319 (sequence 326)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 319 — sehen Gebete mitzusingen, und wenn man eine Schwester sucht, muß man eine Schwester des Dominikaner- oder irgendeines anderen Ordens holen, welche nicht so sehr für den Körper als für die Seele des Patienten sorgt. Wäre es nicht besser, wenn wir jüdische Schwestern mit einem blauen Mögen Dovid-Zeichen am Arm hätten, als katholische, welche für unser Seelenheil sorgen? (Lebhafter Beifall.) Die Engländer haben das verstanden. Wenn England eine Kolonie anglisieren will, so entsendet es sofort Aerzte dahin. Auf der Genfer Weltausstellung können Sie die Tabellen über die Tätigkeit der katholischen Missionen im Kongo sehen, ihre Tätigkeit bezieht sich hauptsächlich auf die Errichtung von Anstalten zur Bekämpfung der Schlafkrankheit. Diese medizinischen Institutionen sind das beste Mittel, um die eingeborene Bevölkerung zu gewinnen. Man fragt mich von seiten der Herren Kritiker, wo werden denn die jüdischen Aerzte, die wir an unserer medizinischen Hochschule heranbilden werden, praktizieren und arbeiten? Es müssen ja nicht alle in Jerusalem arbeiten. Auch nicht in Palästina, es gibt große benachbarte Gebiete des Orients, Syrien, Mesopotamien, den ganzen Osten von Aegypten bis Rumänien und von Marokko bis Persien, wo die jüdischen Aerzte werden arbeiten können. Wenn ich also für die medizinische Hochschule eintrete, so tue ich es auch deshalb, weil sie jüdische Aerzte in den Stand setzen wird, sich ihr Brot zu verdienen. „Im ein kemach — ein Thora!" — ohne Brot ist die Thora zu nichts! Dieses Wort hat hier Geltung. Um allen diesen Notständen gerecht zu werden, muß man also eine Hochschule errichten, dabei kommt noch in Betracht, daß die Errichtung der medizinischen Hochschule uns in den Augen der moslemischen Bevölkerung sehr hoch stellen wird. Und wenn wir da an dem einzigen Platze, wo wir assimilieren könnten, die Bevölkerung kulturell untertänig machen wollen, so könnte die medizinische Hochschule als kräftigstes Mittel gelten. (Lebhafte Zustimmung.) Jetzt kommt die wichtigste Frage: Ist die Errichtung einer medizischen Hochschule in Jerusalem: möglich? Wäre diese Aktion nach unseren Kräften? Ich habe darüber schon viel geschrieben, polemisiert mit Fachleuten, mit Laien, mit Feuilletonisten und „Glatt Juden", „Baalebatim". Jeder Jude „chochmet" sich und meint, er weiß in der Frage zu entscheiden, besonders wenn er noch eine Feder in der Hand halten kann. (Heiterkeit.) Die wichtigsten Punkte und Einwände muß ich hier wenigstens kurz berühren. Man hat Amerika entdeckt — man sagt, man braucht viel Geld. Als ob ich das nicht weiß. Ich habe die Sache studiert, ich habe mich mit vielen Fachleuten und Institutionen in Verbindung gesetzt und bin mir sehr bewußt, daß man für die Errichtung und die Erhaltung einer medizinischen Hochschule sehr viel Geld bedarf. Die Universität in Chicago hat 50 Professoren und gibt jährlich zirka 6 Millionen Frcs. aus. Die Universität im russischen Charkow zählt 4000 Studenten und gibt jährlich bis 2i/2 Mill. Frcs. aus. Die Universität Dorpat zählt 3000 Studenten, darunter 1200 Mediziner und hat zirka 300 000 Frcs. Einkünfte jährlich und bekommt noch einen jährlichen Zuschuß vom Staate von zirka 600 000 Frcs. Die Erhaltung der Universität der kleinen Stadt Lincoln in Nebraska kostet riesig viel Geld. Die Züriche r Universität zählt 1400 Studenten und gibt jährlich 1 Mill. Frcs. aus, die Hälfte für die Professoren. In Detroit (Michigan) fungieren bei 152 Studenten 25 Professoren und 88 Lehrer. Es gibt dagegen Hochschulen, in welchen die Zahl

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