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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 313

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 313 (sequence 320)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 313 - des geistigen Lebensnerves. Haben Sie schon gehört, daß infolge des Boykotts in Polen irgend ein Jude sich hat taufen lassen? Nein, im Gegenteil, viele Juden, die sich als Polen fühlten, haben angefangen, wieder jüdisch zu fühlen. Aber vor dem Portale der Hochschule stehen zu müssen, an die Türen der Wissenschaft klopfen zu müssen und keinen Eingang zu finden, das ist für das Volk, welches seit Abraham, unserem Erzvater, bis zu Herrmann Cohen auf den heutigen Tag nach Erkenntnis und Wissen gerungen hat und ringt, eine Unmöglichkeit. Um das Bild fortzusetzen: Gar oft geht das Portal auf, und der Sohn tritt ein, und zerbrochenen Herzens sinkt draußen der Vater nieder, denn auf Nimmerwiedersehen ist der Sohn in die Hallen des Wissens eingetreten. Meine Damen und Herren! Ich glaube nicht, daß es überflüssig ist, über diesen Zug im jüdischen Leben hier zu sprechen. Es ist notwendig, damit wir verstehen, was für ein Glück das sein wird, wenn wir eine jüdische Universität haben werden, wo wenigstens die Sehnsucht nach Wissenschaft, die Sehnsucht nach Erkenntnis erfüllt werden kann. Es werden Jünglinge aus allen Teilen der Erde dahin strömen. Meine Herren! Ueberall sind wir gewandert, von Deutschland nach Oesterreich, von Oesterreich nach Frankreich, von Frankreich nach der Schweiz, von dort nach Italien und nun weiter von Italien nach Palästina. Und, verleugnen wir uns nicht, wie sieht es in Westeuropa aus, wie sieht es an den Hochschulen, an denen man uns den Eintritt erlaubt, aus? Da sieht es auch nicht viel anders mit dem geistigen Niveau aus. Man muß sich da, obwohl man es sich nicht zugesteht, Student wie Dozent, fortwährend Schrauben anlegen, fortwährend etwas verleugnen. In Zion aber werden wir voll und ganz als Juden und als wahre Männer der Wissenschaft auftreten können. Und, meine Damen und Herren, die zweite Frage: Werden die Mittel gefunden werden? Ja! Ich bin persönlich heute in der glücklichen Lage, verkünden zu können, daß ein Herr aus Odessa für die Errichtung der Universität 100 000 Francs versprochen hat. (Stürmischer, langandauernder Beifall.) Der Herr ist unter uns. Sein Name ist Bespalow. (Stürmische, langandauernde Ovationen.) Herr B e s p a 1 o w gibt für sich selbst 75 000 Francs und im Namen seines Schwiegersohnes, des Privatdozenten Dr. Landau, der, weil er sich nicht taufen lassen wollte, aus Dorpat nach Bern übersiedelte, 25 000 Francs. (Lebhafter, langandauernder Beifall.) Meine Damen und Herren! Wir haben die Sitte, daß wir jedem jüdischen Toten ein bischen Erde aus Erez Jisroel mitgeben. Von jetzt ab, wenn wir eine jüdische Universität haben werden, werden wir jedem jüdischen Lebenden ein Stückchen Geist von Palästina mitgeben (lebhafter Beifall.) Jeder Student der jüdischen Geschichte und Bibelkunde wird es für seine Pflicht halten, mindestens ein Jahr in der Hochschule auf dem Berge Zion zuzubringen. (Lebhafter Beifall.) Und wie wird es da mit der jüdischen Wissenschaft aussehen! Kann man irgendwo die Bibel so lernen, wie in Palästina? Kann man irgendwo die jüdische Geschichte und Geographie so studieren, wie in Palästina? Darüber brauche ich hier nichts zu erzählen. Durch die Blätter der Thora wird ein neuer Hauch wehen, und er wird das ganze jüdische Volk beleben. Heute haben wir einen Moment erlebt, in dem der Grundstein gelegt wurde zur Regeneration des jüdischen Volkes. (Starker Beifall.) Vizepräsident Julius Simon: Das Wort hat Herr Dr. Mossinsöhn. Del. Dr. Mossinsohn, Jaffa (spricht hebräisch): Es haben bereits Redner pro gesprochen, und ich finde es dennoch geeignet, daß ich dazu noch ein Wort sage.

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