Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 319)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 312 - Vizepräsident Julius Simon: Das Wort hat Herr Brazlavsky. Del. Schlomo Brazlawski (hebräisch): Ich möchte Ihnen erzählen,, wie sich die Juden draußen zu dem Gedanken der Gründung einer Hochschule verhalten. Es gibt Dinge, die nicht nur begriffen, sondern auch gefühlt werden müssen. Auch mit der Wahrheit ist es so. Ich habe den Artikel von Dr. Klausner gelesen, „Womit werden wir den Anfang machen?" und erkannte in ihm den Schüler von Achad-Haam. Und als ich dann seine Gegner gesehen habe, ist die Bedeutung der Universität in meinen Augen noch höher gestiegen. Es wurde hier gesagt, man solle das Geringe nicht verachten. Ich sage Euch, Ihr sollt das Große nicht "geringschätzen! Fürchtet euch nicht davor, denn alles läßt sich machen! Ich beantrage, daß der Kongreß eine Kommission wählen soll, die ein Programm der Arbeit in Sachen der Vorbereitung der Universität ausarbeiten soll. Ich schließe meine Rede: Es kam die Zeit,, wo wir nicht mehr für alles Unnötige beitragen werden, sondern für das Notwendige allein. Vizepräsident Julius Simon: Das Wort hat Herr Dr. Da ich es. Del. Dr. Daiches: Geehrter Kongreß! Der Zionismus schreitet mächtig fort und schlingt neue Bande um das jüdische Volk. Auf allen Gebieten kommen wir weiter und wir sehen, wie die jüdische Seele wächst. Die letzten Tage haben uns wiederum gezeigt, wie die jüdische Seele auf allen Gebieten des Zionismus sich entfaltet. Aber ich glaube, daß ich durchaus nicht übertreibe, wenn ich sage, daß wir seit dem I. Kongresse ßolch erhabene und erhebende Momente, wie wir sie in dieser Nacht erleben, nicht erlebt haben. (Lebhafter Beifall.) Wir kommen unserem Ziele, unserem wahren Ziele näher, wir kommen dem Ziele näher, ein neues Heiligtum, einen Sitz der wahren Erkenntnis und der wahren Wissenschaft auf dem Berge Zion wieder zu haben. (Lebhafter Beifall.) Wie Herr Ussischkin vorhin so wundervoll gesagt hat: Wir sind wahrlich gesegnet, gesegnet von Gott, daß wir so eine Stunde in unserem Erdenleben erlebt haben, und wir müssen nur die Bedeutung dieser Stunde erfassen. Meine Damen und Herren! Herr Ussischkin und Herr Dr. W e i z m a n n haben sich, notwendigerweise vielleicht, mehr auf die Hervorhebung der Bedeutung der Universität für Palästina beschränkt. Die Universität hat aber für die gesamte Diaspora des Judentums eine Lebensbedeutung. (Lebhafter Beifall.) Jetzt wird keine Frage mehr gestellt werden können von Juden in Frankreich oder in China, von Juden in allen Erdteilen: was wollen wir mit dem Zionismus, was bietet der Zionismus uns, die wir außerhalb Erez Israel leben? Jetzt ist ein Band geschmiedet, das um alle Juden der Welt sich schlingen und alle verbünden wird. Hier sehen wir, was die Universität in Jerusalem für das jüdische Volk bedeuten wird. Es sind zwei Fragen gestellt worden: Ist eine jüdische Universität in Jerusalem notwendig? Und dann: Werden sich die Mittel dazu finden? Meine Damen und Herren! Wir wollen hier einige Gründe untersuchen, die zeigen sollen, wie notwendig eine hebräische Universität in Jerusalem ist. Ich fange mit etwas negativen Gründen an. Meine Damen und Herren! Von allen den Tragödien, die in der Neuzeit in der Geschichte des jüdischen Volkes sich abgespielt haben, ist keine Tragödie trauriger, keine Tragödie größer, keine Tragödie tiefer, keine Tragödie herzzerbrechender, als die Tragödie der Lage der jüdischen Jugend in Osteuropa. Meine Damen und Herren! Gewiß: Taufen und gar Massentaufen sind fürchterlich, sind ein Zeugnis eines sehr schlechten geistigen Lebens, sind ein Zeugnis, wie Herr Dr. W e i z m a n n richtig sagte, von Verrat und innerer Lüge. Aber ich will das Paradoxon wagen, daß diese Taufen auch zeigen, auf welch hohem Niveau das jüdische Volk steht, denn alles kann der Jude vertragen, nur nicht die Unterbindung