Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 318)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 311 — sind nicht damit zufrieden. Wir möchten noch die anderen großen Geister des Judentums hier in unserer Mitte sehen. Wir möchten noch andere der großen Heroen des Gewissens hier mit uns arbeiten sehen. Wie können wir sie bekomimen? In dem Momente, wo wir zu einem Ideal emporsteigen, großmächtig, so daß es den Enthusiasmus der Masse und auch der Großen entzünden kann, haben wir den Weg zu ihrem Herzen, den Weg zum Verständnis und zu ihrer Mitarbeit gefunden. (Lebhafte Zustimmung.) Wir machen Propaganda schon jetzt in unserer Mitte. Das Wort zündet, es bereitet sich, es lodert, es umfängt die ganze Welt. Ja, Kaufleute sind unzweifelhaft von großer Bedeutung. Wer hat aber unser Volk aus dem Exil aus Babylon zurückgebracht? Waren es die reichen Kaufleute? Nein! Es war der arme Schreiber Esra Hasofer, der Begründer des Synhedrions, der Mann, der die Schätze der Vergangenheit in seinem Geiste getragen und bis heute auf Uns vererbt hat. Es war der Mann des Wissens, der auch der Mann der Tat geworden ist. (Lebhafter Beifall.) Als ich vor einigen Jahren mit einem Manne sprach und ihm von der Gründung der Universität in Straßburg erzählte, sagte er, wir würden besser auf eine Milliarde verzichten als auf die Universität. Geld können wir alle verdienen. Aber Geister können wir damit nicht schaffen. Frankreich konnte nicht auf die Universität verzichten, was können wir ohne die Universität. Wir müssen sie gleich schaffen. Man wird uns Schwierigkeiten entgegenstellen, und es gibt kein Volk, welches so erfinderisch, so geistreich, so tief ist wie unser Volk, um' immer beweisen zu können, Avas [man nicht tun kann. (Heiterkeit und lebhafter Beifall.) Als ich vor 15 Jahren zum erstenmal beim II. Kongreß die Kulturfrage aufgerollt hatte, da schüttelten die Herren die Köpfe und verstanden nicht, was Kultur war. Die Antwort ist heute da. Wir sind hier die Vertreter der jüdischen Kultur. Sie haben Herrn Ussischkin gehört. Sie haben die jüdische Wissenschaft, aber das ist nur der erste elende Anfang für die große jüdische Kultur, für die wir ein Heim in Palästina schaffen wollen. Und nun zur großen rettenden Tat, die die Gründung der Universität bedeutet! Die Männer der Wissenschaft lassen sich finden. Haben wir nicht große Männer an allen Universitäten, und können wir sie nicht für uns gewinnen, wenn sie anderen Staaten dienen? Sicherlich! Aber betrachten Sie, welche Bedeutung eine Universität für die Geschichte der Menschheit hat. Das ist die moralische Tat, mit welcher wir vor die Welt treten können. Bauern geben noch kein moraliches Recht auf das Land, welches sie besitzen. Aber ein geistiges Eigentum kann nie veräußert werden. In dem Momente, wo wir den geistigen Besitz von Palästina ergriffen haben, gibt es keine Macht der Welt, die uns von da entfernen kann. (Lebhafter Beifall.) Nicht Geld wird uns erlösen, — das wissen Sie ja von der alten Zeit, — aber wir werden die Träger der menschlichen Kultur sein, die die Regeneration des Ostens in derselben wunderbaren Weise vollziehen können, wie nur wir allein dazu berufen sind. :Wir werden die Kultur des Westens, in welcher wir so viele Jahrhunderte gelebt haben, in den Orient hinüberbringen 'mit dem Verständnis und der Sympathie für den Geist und die Phantasie des Orients. Wir werden die Keime des Lebens dort hineinpflanzen und so der Menschheit dienen. Die Psychologie unseres Volkes hier hat sich noch nicht so genügend entwickelt, daß wir es als vollständig jüdisch bezeichnen, aber das wird gleich kommen. Man hat von Palästina gesprochen, für uns ist es das Heilige Land. Ehret und heiliget, schaffet ein neues Heiligtum im Heiligen Lande. Jetzt stehen wir auf heiligem' Boden, weg mit den Schuhen, mit dem Materialismus. Dort steht die wahre Flamme, die Flamme des Lichtes, der Hoffnung, der Zukunft und Begeisterung. (Stürmischer Beifall.)