Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 316)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 309 — von den Elementen der Naturwissenschaft, der Gesundheitspflege, der Krankheitsbekämpfung usw. zu sorgen. Die Vorschläge, welche ich dem Kongresse zu unterbreiten habe, sind ihrer Natur nach einfach. Wir alle sind uns der schweren Aufgabe bewußt, und wir wollen uns hüten, Projekte einfach in die Welt zu setzen, ohne materielle Grundlage, ohne Mittel zur Realisierung. Wir glauben aber, daß es an der Zeit ist, ernste Vorbereitungen zu treffen. Ist das Problem in seinen Grundlagen geklärt, so kann man mit der Agitation beginnen und auch die Mittel dafür sammeln. Ich bin am Ende meiner Ausführungen, und ich hoffe, daß es mir gelungen ist, die Grundlinien unseres Planes festzulegen und den Weg vorzuzeichnen, auf welchen man zur Realisierung kommen kann, natürlich erfordert diese Realisierung eine große Kraftanstrengung, aber ich glaube, daß der Erfolg diese Anstrengung rechtfertigen wird. Gelingt es uns, die Idee in weite jüdische Kreise hineinzutragen, so dürfen wir auch hoffen, daß wir ein Verständnis für die hohe Aufgabe finden werden und eine kräftige Unterstützung. Die jüdische studierende Jugend wird vor allem ihre Pflicht tun und sich tatkräftig an der Propagierung der Idee beteiligen. Die studierende Jugend wird nicht vergessen, daß, während sie das Glück hat, an den Quellen der Wissenschaft zu schöpfen, Tausende ihrer Mitbrüder vor Wissensdurst vergehen und durch eine barbarische Gesetzgebung die Türen der Universitäten ihres Geburtslandes gesperrt finden. Es ist deswegen eine doppelte Pflicht der jetzt Studierenden, alles zu tun, um auch die anderen jungen Juden der Wissenschaft zuzuführen und die einzige würdige Antwort auf die jetzige Universitätssperre ist die Gründung einer eigenen Universität. (Beifall.) Ich werde am besten mit den Worten Fichtes schließen: „Welcher Edeldenkende will nicht durch Tun und oder Denken ein Samenkorn streuen zu unendlicher immer fortgehender Vervollkommnung seines Geschlechtes, etwas Neues und vorher nie Dagewesenes hineinwerfen in die Zeit, daß es in ihr bleibe und eine nie versiegende Quelle neuer Schöpfungen werde." (Stürmischer Beifall.) Vizepräsident Julius Simon: Das Wort hat Herr Dr. Gast er. Vizepräsident Dr. Gaster (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Hochgeehrter Kongreß! Das erlösende Wort ist gefallen, die rettende Tat ist geschehen! Das wird unzweifelhaft das Gefühl aller derjenigen sein, die das Glück haben, an dieser großartigen Manifestation des jüdischen Geistes und des vergeistigten Zionismus hier teilzunehmen. Ich muß eingestehen, daß ich während der Diskussion der letzten Tage befürchtet habe, daß der Zionismus allmählich in die Keller der Bank versinken werde, und ich freue mich und Ihr alle freut Euch mit uns, daß wir aus dieser dumpfen Luft in die höhere Sphäre des geistigen Lebens und des geistigen Strebens hinausgetragen worden sind. Dieser Kongreß wird ein merkwürdiger bleiben. Er wird in der Geschichte des Judentums eine der ehrenvollsten Stellen einnehmen, denn von diesem Kongresse geht eine der großartigsten Ideen aus, welche von weittragender Bedeutung für die Erlösung unseres Volkes von innen und nach außen hin sein wird